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    Juni 2020 – Journalist‘s Journey: Medientransparenz + Intransparenz bei Kohl-Akten

    Journalist‘s Journey: Medientransparenz + Intransparenz bei Kohl-Akten

    Unsere Woche der Transparenz in der 20. KalenderWoche führte zu Rückfragen von journalistischer Seite und Interesse, das sich ungefähr so zusammenfassen lässt: Alle finden’s gut, keiner macht mit. Gerne wird auf Platz und Zeit verwiesen, obwohl die Intros zu den Stücken ja nur kurz sein sollten, um in knappen Worten das Making Of eines Beitrags zu schildern.
    Die Journalistin Kirstin Müller hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass es vielleicht doch ausführlicherer Schilderungen bedarf, um den journalistischen Arbeitsalltag für Laien verständlicher zu machen. Sie hat sich die Mühe gemacht, einmal detailliert gängige Abläufe bei der Produktion von Medieninhalten zu formulieren.
    Wir freuen uns über diesen Beitrag zur Woche der Transparenz und geben ihn gerne zur Diskussion in die Runde: Wie kann man journalistische Arbeit und redaktionelle Entscheidungen plastischer machen und Medien vom Ruch einer verschworenen Blackbox befreien!?! Er dient gleichzeitig als Beginn von Posts unter dem Hashtag #JournalistsJourney, der dem Thema „Journalistisches bzw. redaktionelles Arbeiten) gewidmet ist. (IMV)

    Die Journalist’s Journey – Von der Idee zum Text (von Kirstin Müller)

    Welche Themen ein journalistisches Medium in welcher Art und Weise abbildet hängt von einer Vielzahl komplexer Einflussfaktoren ab, die den journalistischen Arbeitsalltag prägen. Exemplarisch wird im Folgenden der Weg vom ersten (nachrichtlichen) Impuls bis zum fertigen Text am Beispiel einer tagesaktuellen, überregionalen Zeitung (Print und Online) nachempfunden.
    Der Tag beginnt mit der Redaktionskonferenz am Morgen, bzw. eigentlich schon früher, denn vor der Arbeit machen sich viele Redakteurinnen schon ein Bild von der Nachrichtenlage des Tages via Radio, Social Media und TV, bzw. Print- und Online-Nachrichten der Konkurrenz.) In der Konferenztreffen sich die Journalistinnen der einzelnen Fachressorts und die tagesverantwortlichen Chefredakteurinnen und planen die konkreten Artikel, die über den Tag, bzw. in der Ausgabe des nächsten Tages erscheinen sollen. Dabei geht es um die Auswahl der Themen, aber auch um ihre Gewichtung zueinander und die Diskussion des spezifischen Zugangs zu einem Thema.
    Diese Entscheidungen hängen von vielen Faktoren ab.
    Erstens: Welche Zielgruppe will das Medium ansprechen? Platt gesagt: Bei der taz würde der runde Todestag von Che Guevara sicher stärker das Kerninteresse der Leserinnen treffen, als bei der FAZ. Bei diesem Beispiel wäre es also denkbar, dass die taz zu diesem Anlass ein größeres Stück plant, während die FAZ das Thema eher als kurze, primär nachrichtliche Meldung platziert.
    Zweitens: Welche Ideen haben Redakteurinnen, welche fachlichen und persönlichen Interessen und Spezialgebiete bringen sie mit? Bleiben wir beim Todestag von Che Guevara. Auch eine FAZ-Redakteurin kann dieses Thema zielgruppengerecht aufbereiten. Es könnte z.B. zum Anlass genommen werden, den Imagewandel politischer Akteure hin zu Popfiguren neu zu beleuchten. Wenn jemand in der Redaktion Erfahrung mit popkulturellen Themen hat, böte sich so ein Zugang z.B. schon aus rein praktischen Gründen an. Als eher konservativ ausgerichtetes Medium könnte die FAZ auch eine kritische Außenperspektive einnehmen und das Verhältnis der politischen Linken zu ihren eigenen Ikonen aufarbeiten. Je nachdem, für wie gesellschaftlich relevant die Redaktion die Frage hält, die sie in ihrer Geschichte bearbeiten will, desto größer und prominenter wird der Platz ausfallen, den sie dieser Geschichte einräumt. Es gilt: Aus jedem Thema lässt sich potentiell etwas machen, was universelle Aussagekraft hat. Letztendlich kommt es auch darauf an, wer auf welchen Zugang kommt und wer sich mit seinem Thema durchsetzten kann.
    Drittens ist natürlich die Frage der nachrichtlichen Aktualität entscheidend. Ein Todestag fällt natürlich auf ein ganz bestimmtes Datum. An diesem Tag sollte ein Text dazu im Idealfall erscheinen. Kommt es aber an diesem Tag zu einem unvorhergesehenen Ereignis, dem die Redaktion z.B. internationale Bedeutung beimisst – wie eine Naturkatastrophe, eine weitreichende politische Wende oder ein terroristischer Akt – so wird diesem Ereignis nachrichtlich Vorrang gegeben. Dann muss eventuell schnell gekürzt bzw. umdisponiert werden. Geplante Geschichten, wie die in unserem Beispiel, würden entweder zeitnah an einem anderen Tag publiziert, oder kleiner abgebildet werden, um dem aktuellen Ereignis mehr Raum geben zu können. Denn die Seiten einer gedruckten Zeitung sind natürlich limitiert. Auch Online lässt sich die Anzahl an Geschichten aus technischer Sicht zwar über das festgelegte Layout der Startseite hinaus erweitern. Damit riskiert man aber, die Leser in ihren Nutzungsgewohnheiten zu verwirren und dadurch ihr Interesse zu verlieren. Ein Aufbrechen des Layouts zugunsten einer Nachrichtenlage ist daher keine alltägliche Maßnahme.
    Zuletzt müssen die Tagesverantwortlichen im Blick behalten, dass alle Ressorts „gerecht“ abgebildet werden. Bei Printprodukten ist das weniger strittig, da meist alle Seiten außer der Titelseite den Ressorts fest zugeteilt sind. Online dagegen werden die Aufmacherblöcke, d.h. die Geschichten, die ganz oben auf den Online-Plattformen erscheinen, ständig neu gemischt.
    In der Redaktionskonferenz werden also die Themen des Tages, die Gewichtung der Themen zueinander und die Perspektive, aus der sie behandelt werden sollen, festgelegt. Danach geht es für die einzelnen Redakteurinnen an die Umsetzung ihrer Texte. Wie Recherche und Schreibprozess genau ablaufen kann je nach Thema (und je nach persönlichem Stil des/der Redakteurin) sehr unterschiedlich sein. Für ein analytisches Langstück zu Che Guevara wird ggf. schon an den Tagen zuvor mit Expertinnen gesprochen. Die wichtigen Lebensdaten und Wendepunkte sind schon ausgewählt, und der Text muss in den kommenden Stunden nur noch abgerundet werden. Vielleicht muss eine Interviewpartnerin sein/ihr Zitat im Text noch absegnen. Für ein nachrichtliches Stück können Redakteurinnen sich dagegen auf Material aus den Nachrichtenagenturen beziehen, deren Dienste tagesaktuelle Medien abonniert haben. Für den runden Todestag einer wichtigen politischen Figur gibt es von den Agenturen für gewöhnlich Überblickstexte, die genau so übernommen werden können. In der Zeitung erscheinen solche Texte dann mit dem Kürzel der betreffenden Agentur (dpa, afp, etc.) statt unter einer Autorenzeile.
    Dass Zeitungen selbst die Primärquelle für ein nachrichtliches Ereignis sind, ist eher selten. Viele haben nicht einmal die Mittel Korrespondentenbüros zu unterhalten, und selbst wenn, dann kann man natürlich nicht überall gleichzeitig dort sein, wo „etwas passiert“. Erste Kenntnis von einem Ereignis bekommen die Redaktionen aus verschiedenen Quellen, zum Großteil aber über die Agenturen. Viele staatliche oder öffentliche Institutionen halten regelmäßig Pressekonferenzen ab oder machen Pressemitteilungen. Bei „größeren“ Verbrechen, Unfällen oder Katastrophen informieren Polizei und Bundesbehörden proaktiv, und über die sozialen Medien kann sich die Redaktion selbst aktiv informieren. Außerdem sind viele nachrichtliche Ereignisse wie Wahlen, Sportveranstaltung oder Jubiläen vorherseh-, und damit planbar. Grundsätzlich ist wichtig zu wissen, dass vorformulierte Information Zeit spart und dadurch für Journalistinnen so notwendig wie praktisch ist. Die Gefahr, mit dem entsprechenden Wording ungeprüft auch eine vorstrukturierte Ordnung der Wirklichkeit zu übernehmen, wird immer größer, je weniger Zeit zu einer kritischen Prüfung bleibt.
    Komplett originäre Inhalte produzieren tagesaktuelle Zeitungen aber auch. Recherchen, die z.B. Missstände aufdecken, entstehen oft in den Investigativ-Ressorts. Der/die Redakteurin folgt dabei z.B. einem anonymen Hinweis, oder bekommt selbst ganz direkt Kenntnis von einer Spur. Ein jüngeres Beispiel für eine bedeutende Investigativ-Recherche sind die Enthüllungen Edward Snowdens, der u.a. den Journalisten Glenn Greenwald vom britischen Guardian und die Dokumentarfilmregisseurin Laura Poitras kontaktiert hatte und sich dann heimlich mit ihm traf. Nach ihrer Veröffentlichung wurde die Geschichte dann selbst zur „Breaking News“ für andere Publikationen. Ist der Text an sich fertig gestellt, müssen noch einige Schritte durchlaufen werden, bevor er auf den Online-Kanälen bzw. auf der gedruckten Seite erscheinen kann. Die zwei wichtigsten Ausgestaltungen eines Textes sind seine Überschrift (und Unterzeilen) und seine Bebilderung. Sie sind quasi die Erstkontaktpunkte, sie sind die Verkaufsoberfläche. Die Leserinnen bekommen durch Zeile und Bild schnell einen ersten Eindruck davon, was sie von dem Text erwarten können und – das ist natürlich entscheidend – ob er ihre Interessen trifft und sich damit potentiell für sie lohnt.
    Eine Bebilderung kann entweder ein einfaches Foto sein oder eine eigens für diesen Text hergestellte illustrierende oder auch konterkarierende Grafik. Für das Aufmacherfoto könnte man in diesem Fall auf Bilddatenbanken zurückgreifen. Viele Medienhäuser haben eigene Archive und Abonnements bei externen Dienstleistern. Die naheliegende Lösung wäre in unserem Beispiel von Che Guevara, ein Bild von ihm selbst. Will der/die Redakteurin der Che-Guevara-Geschichte z.B. in den Fließtext eine illustrierte Timeline einbauen, muss diese im Vorhinein bei den betreffenden Grafikerinnen in Auftrag geben werden.
    Nicht immer ist die Bebilderung so harmlos, wie im historischen Beispiel. Denn unsere Vorstellung von der Welt ist stark davon geprägt, welche Bilder wir von ihr zu sehen bekommen. Besonders bei der Darstellung von Gruppen jenseits der gesellschaftlichen Mehrheiten ist das bekanntermaßen problematisch. Die Verschlagwortung der Bilddatenbanken und der Mangel an Auswahl bei manchen Suchbegriffen wirkt sehr einschränkend. Extrem gesprochen: Eine anonyme Menge betender Männer oder verschleierter Frauen stellt „Muslime“ dar, und „Homosexuelle“ sind bunt gekleidete Männer, die Regenbogenfahnen schwenken. Allein schon weil ihnen zeitnah keine Alternativen zugänglich sind, reproduzieren Redakteur*innen mit der Bildauswahl gängige Stereotype.
    Die Überschrift wiederum ist eine Kunst für sich. Sie darf nicht zu viel verraten, aber auch nicht zu wenig. Sie muss neugierig machen und darf nichts versprechen, was der Text nicht halten kann. In unserem Bespiel wäre „Heute 50. Todestag von Che Guevara“ zwar korrekt, aber blass und langweilig, „Viva Che – Die Ikone lebt weiter“ zu tendenziös und pathetisch. Eine gute Strategie wäre es z.B., eine Haupterkenntnis des Texts in der Überschrift anzudeuten, indem man ein zentrales Zitat heraushebt, oder eine These aus dem Text zugespritzt paraphrasiert.
    Ein letzter Faktor der Themensetzung ist die Erfahrung mit bisherigen Themen. Wird der Che-Guevara-Text z.B. auf den Onlineseiten der FAZ gut angenommen, d.h. häufig angeklickt, könnte das einen weiteren Text mit ähnlicher Schlagrichtung rechtfertigen.
    Viel wäre noch zu sagen zur Journalist’s Journey. Wir hoffen dieser Text kann als Einblick dazu dienen, dass der tagesaktuelle Journalismus nicht geradlinig, sondern als dynamischer Prozess funktioniert und auf viele Beteiligte angewiesen ist.

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    Als Aufruf zu mehr Transparenz zur Deutlichmachung von Qualität in den Medien kann auch das neue Rezo-Video gewertet werden, das wieder mit gut recherchierten Fakten aufwartet und dabei hilft, die Spreu vom Weizen zu trennen (ohne die sonst üblich gewordenen Polarisierungen zu bedienen – erfrischend und lohnend: https://www.youtube.com/watch?v=hkncijUZGKA Empfehlung!

    März/April 2020 – Eingabe beim Presserat, Verlegung Jubiläumsfeier KurzKonferenz

    Liebe Interessierten,

    auch wir sehen uns gezwungen, die für den 3. April 2020 geplante Jubiläumskonferenz „Neue Medien – alte Bildung, Jung&Alt zusammenbringen“ im Haus der Demokratie und Menschenreche abzusagen. Wir planen die Veranstaltung im Januar 2021 nachzuholen.

    Um konstruktiv zu bleiben verweisen wir auf den Relaunch unserer Website und bitten um Spenden, um diese noch bedienungsfreundlicher zu gestalten. Für bereits eingegangene Unterstützungsgelder bedanken wir uns recht herzlich und übersenden – wie immer – gerne eine Spendenbescheinigung.

    Eingabe beim Presserat

    Das IMV setzt sich schon lange für den Erhalt und Ausbau des Pressekodex ein, der ja weit über die Druckmedien hinaus eine wichtige Richtschnur für medienethische Fragen darstellt.

    Dazu gibt es seit 2003 immer wieder Stellungnahmen, die unter https://imv.blog-upcycling.de/projektbeispiele/ s.v. „Ergänzung der Presseratsrichtlinie“ einzusehen sind. Leider ist es uns nicht gelungen, die Aushölung der Richtlinienergänzung 12.1 zu verhindern.

    Nicht erst seit den Anschlägen in Hanau, wo die Frage nach der Bildverwendung von Shishabars in welchen Kontexten aufkam, sollte sich der Presserat Gedanken um eine Richtlinienergänzung 12.2 machen, die die Verwendung von Symbolbildern kritisch reflektiert – wie von uns 2005 erstmalig vorgeschlagen. Zum aktuellen Vorschlag „Zum medialen Umgang mit Symbolbildern“ siehe unsere Pressemitteilung vom 21. Feburar 2020: https://medien-meinungen.de/2020/02/hanau-mahnt-zum-medialen-umgang-mit-symbolbildern.

    Aufgrund der besonderen Umstände entfällt der April-Newsletter.

    März 2020- Hanau mahnt

    Liebe Interessierten,

    dass aus Worten Taten werden, davor warnen wir seit unserer Gründung vor 15 Jahren!
    Wir plädieren dafür, Sprache in ihrer Handlungs- und vor allem Zeigefunktion ernster zu nehmen und deren Gebrauch zur Zuweisung (problematischer) Eigenschaften auf ganze Gruppen kritisch zu überdenken – dies ganz besonders in den Medien als wichtige Schaltstelle für die Verbreitung von Aufklärung, aber auch von Ressentiments.
    Die Anschläge von Halle, Hanau und bereits die Morde des sogenannten NSU und inzwischen unzählige Übergriffe im Alltag machen deutlich und mahnen, dass wir ein gesellschaftliches Problem mit Rassismus haben. Die Vorortung dieses Problems bei rechtsextremen Rassisten wie pi-news im Netz, Pegida & Co. auf den Straßen oder der AfD in den Parlamenten mag ein verführerischer Reflex sein, sich eine rassismusfreie, aufgeklärte Mitte vorzustellen und die Kehrseite der Moderne neoliberaler Verwertungsgesellschaften zu verleugnen, die auf Konkurrenz und Ausgrenzung setzt.
    Nicht zuletzt die Toten von Hanau mahnen, dass mit dieser Selbstidealisierung Schluss sein muss. Spüren wir den Rassismus auf, entlarven ihn und laden zur Selbstreflexion ein – denn niemand ist gefeit davor, mit seinen Schubladen im Kopf konfrontiert zu werden! Aufklärung bedeutet, sich das dann eben anzusehen, ggf. anzunehmen und bestmöglich zu korrigieren.
    Ein paar Beispiele für Diskussionswürdiges:
    Kurz nach dem Anschlag in Hanau fragt man in den Heute-Nachrichten „Ist Multi-Kulti gescheitert?“ und bedient damit sowohl rechte Frames, als auch die Aussage von Angela Merkel von vor ca. 10 Jahren. Da nützt auch kein Integrationsgipfel nichts, wenn man vonseiten der Bundesbehörden die Mär von der „Migration als Mutter aller Probleme“ bedient. Medien hätten hier die Rolle des kritischen Aufklärers, der Vierten Gewalt, statt die des Kolporteurs.
    Immer wieder ist in Medien jedoch das Narrativ von „Fremdenfeindlichkeit“ bei der Berichterstattung über den Anschlag in Hanau zu vernehmen. Damit werden die Opfer rassistischer Gewalt posthum zu Fremden erklärt. Ja, es ist so subtil und geht weit über die verbreitete Diskussion um politisch korrekte Begrifflichkeiten hinaus.
    Im „heute Journal“ des ZDF vom 28.02.2020 ca. ab Minute 15.30 Uhr:
    Es geht um die AfD und deren Diskussion um Rassismus in den eigenen Reihen nach dem Terroranschlag in Hanau. Claus Kleber fragt einleitend zum dann eingespielten Beitrag „Geht’s da nur um rassistische Sprache und Parolen oder geht es um tatsächlich tiefere Einsichten?“ https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-28-februar-2020-100.html


    Das ODER stellt die rassistische Sprache den tieferen Einsichten gegenüber und ordnet erstere unter, sprich: rassistische Sprache und Hatespeech, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen können, wird in den Hauptnachrichten unterschätzt.
    Es gab und gibt freilich schlimmere Beispiele als die des ZDF, aber auf das BILD-Niveau des Springer-Verlags wollen wir uns garnicht begeben – aber aufzeigen, dass Rassismus in der Mitte gepflegt wird: Etwa der Cicero scheint derzeit zu einem dehumanisierenden Blatt in Zeiten von Fluchtdebatten zu werden … Für die Entscheidung zu diesem Gastbeitrag beispielsweise werden folgende Frames aktiviert: https://www.cicero.de/aussenpolitik/fluechtlingskrise-eu-erdogan-tuerkei-syrien-russland-diplomatie: Eine humanitäre Krise gäbe es erst seit der Grenzöffnung durch die Türkei, Europa müsse (die Menschlichkeit) von 2015 verhindern …
    und dies prominent platziert in einem Medium der Mitte.
    Wir müssen uns mehr mit den subtilen Formen von Hassrede befassen, die weit über die Entscheidung für oder gegen einen Begriff gehen. Es geht um die Schärfung des Blicks für die Subtilitäten, die so manchem garnicht auffallen mögen, weshalb sie Schilderungen wie die von Alice Hasters nicht verstehen wollen: https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/alice-hasters/
    Rassistische Einteilungen werden jedoch auch von den markierten Gruppen übernommen und perpetuiert, wie Sabine Schiffer hier beschreibt: https://www.migazin.de/2020/03/02/wenn-die-rassistische-saat-aufgeht.

    IMV News
    Unser Konferenzprogramm für den 3. April 2020 ist fertig und kann demnächst auf der neuen Website eingesehen werden.
    Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Wer nur spenden möchte, kann dies gerne hier tun: https://www.medienverantwortung.de/impressum. Wir bedanken uns im Voraus!

    Sonder-Newsletter 2020 Einladung zur Jubiläumskurzkonferenz im April 2020

    Veranstaltungsort: Haus der Demokratie und Menschenrechte,
    Robert-Havemann-Saal, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
    Einlass 15.30 Uhr
    Eröffnung Institutsleiterin Prof. Dr. Sabine Schiffer
    Ausstellungseröffnung 16.00 Uhr, Dr. Xenia Gleißner
    Grußworte 16.45 Uhr
    Vertreter des IMV-Förderkreises
    Mittelhof e.V.: Markus Schönbauer, Geschäftsführung
    Psychologische Beratung Berlin: Dipl. Psych. Thomas Haudel

    17.00 Uhr Kurzvorträge und Podium:
    Prof. Dr. Sabine Schiffer, Gründerin und Leiterin des Instituts über die Forderung nach einem Schulfach Medienbildung und der Aufgabe kritischer Medienkompetenz

    • Julia Krüger – Netzpolitik und Datenschutz: Was muss ich selber tun/wissen?
      Dipl. Politik-Entwicklerin mit starkem Fokus auf moderner Kommunikation, Künstliche Intelligenz, Datensicherheit, Partizipation und Selbstbestimmung
    • Thomas Nehls – Journalismus contra Fake-News: Wie geht das?
      Langjähriger ARD-Radiokorrespondent mit Erfahrungen in Print und TV und dem Schwerpunkt auf Außen- und Sicherheitspolitik
    • Franziska Wessel, FridaysForFuture Berlin – Wie wir arbeiten. Schule und kritische Bildung, oder: Woher kommt das Know how von Klima-Influencern?
      Die 16-jährige Schülerin ist Mitorganisatorin der Fridays for Future und Pressesprecherin für Berlin
    • Regine Pfeiffer – Games als Glücksspiel: Abzocke-Strategien im Netz
      Die ehemalige Lehrerin begann mit 65 – als „Freie Mitarbeiterin des KFN Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen“ – die Erforschung von Online-Spielen zur Frage: Inwiefern tragen Glücksspiel-Elemente in Games zur Entstehung von Sucht bei? Nach „World of Warcraft“ widmete sie sich sog. „free-to-play“-s, die heute der große Hype sind und deren exzessive und süchtig machende Nutzung vor allem Jungen betrifft, die damit zum Bildungsverlierer im Gender-Gap zu werden drohen.
      Moderation: Sabine Schiffer

    19.30 Uhr Stehempfang mit Imbiss
    Nach kurzen Vorträgen werden wir auf dem Podium und mit dem Publikum ins Gespräch kommen und weitere Fragen und Notwendigkeiten rund um den Themenkomplex Medienbildung (an Schulen und darüber hinaus) erörtern.


    Veranstaltungsinfo

    Neue Medien, alte Bildung
    Jung & Alt zusammen denken

    Gerade werden wieder Stimmen aus Wissenschaft und Politik laut, dass wir Medienbildung an Schulen brauchen. Das Institut für Medienverantwortung IMV fordert von Anfang an ein solches Schulfach, entsprechende Lehrplankommissionen, evaluiertes didaktisches Material und Fortbildungen für Lehrkräfte, aber auch den Journalismus und die Mediennutzenden als lebenslanges Lernen – und zwar nicht nur mit Blick auf Technik, sondern auch und gerade bezüglich kritischer Beurteilungskompetenzen.
    Zu unserem 15-jährigen Institutsjubiläum wollen wir erörtern, wie die künstlich geschaffene Lücke zwischen den Generationen wieder geschlossen werden kann. Im Interesse der IT-Branche liegt die Beschwörung sogenannter „Digital Natives“, die besser gerüstet seien für die digitale Welt als ihre Eltern und Großeltern. Die Realität ist komplexer. Technische Versiertheit bedeutet nicht automatisch, souverän und selbstbestimmt die technischen Angebote für eigene Zwecke zu nutzen. Ältere gelten schnell als Hinterwäldler oder Bewahrpädagogen. Dabei nutzen „die Alten“ die Angebote auch, aber anders. Aber auch hier gibt es Wissenslücken und Weiterbildungsbedarf in Sachen Mediennutzung, Einschätzung der Inhalte und Datenschutzfragen. Gerade machen es die FridaysForFuture vor, wie das kritische Hinterfragen von Schülern ihre Wissensquellen findet und sich ernsthaft in den Diskurs einbringt.
    Darum ist es wichtig die Kenntnisse der älteren und die der jüngeren Generation wieder zusammenzubringen. Beide können voneinander lernen und Kompetenzen zusammenfügen – dafür sind Familie, Schule und Kinderbetreuung geeignete Orte.
    Im Rahmen der Nachmittagskonferenz werfen wir einige Schlaglichter auf die Thematik in Form unterschiedlichster Referierender. Sie ist als Auftakt für den Austausch mit Bildungsträgern geplant und soll beginnen herauszuarbeiten, welche Aspekte in einem Schulfach Medienbildung Berücksichtigung finden müssen.

    Ausstellungsinfo

    Ausstellung BrexShit – nur am Konferenzabend
    Viel ist seit dem Brexit-Referendum über das Leben in Großbritannien geschrieben und dokumentiert worden. In den offiziellen Medien in England beherrschen Debatten im Britischen Parlament und Politintrigen die Debatte, sowie Reporter, die in verarmte Städte im Norden des Landes reisen, um Menschen auf der Straße nach ihren Hoffnungen für einen erfolgreichen Brexit zu befragen. Was sich auf Twitter, in Memes und Karikaturen abspielt, in der Maske von einfachem Spott und Satire bis hin zu Äußerungen tiefsitzender Vorurteile, begleitet seit dem Referendum jeden in England durch den Alltag.
    Dr. Xenia Gleißner und ihr Partner zeigen zum ersten Mal in Deutschland ihre Ausstellung zum Thema. Beide leben und arbeiten in London und zeigen eine Zusammenstellung von Werbematerial seit 2016 für und gegen den Schritt der Briten, die EU zu verlassen. Sie schildern damit aber nicht nur ihre persönlichen Eindrücke aus dem Alltag, sondern beschreiben auch die in Großbritannien herrschende und in den deutschen Medien kaum geschilderte Stimmung. Zeitungen, Flyer und Fotos von Protestmärschen wirkten als einzelne Exponate unscheinbar, in der Zusammenschau bieten sie ein eindrückliches Bild von einer Zuspitzung und Polarisierung, die jeden Haushalt erreicht hat und die ehemaligen EU-Bürger bis heute prägt.
    Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung kann in einer Gesprächsrunde eine weiterführende Analyse der Meinungsbildung in Großbritannien stattfinden, die unter anderem auch durch manipulative Eingriffe mittels Algorithmen-gesteuerter Software beeinflusst wird.

    Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten!
    Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

    Teilnahmebestätigung bitte an verwaltung@medienverantwortung.de
    Das Institut für Medienverantwortung ist gemeinnützig, Spenden sind steuerabzugsfähig.
    Spendenkonto: IMV gUG, GLS Gemeinschaftsbank eG, IBAN DE89 4306 0967 1229 8692 00.
    Werden Sie Mitglied im gemeinnützigen Förderkreis des Instituts http://www.medienverantwortung-foerderkreis.de und sichern Sie unsere Arbeit nachhaltig!

    About IMV
    Das Institut für Medienverantwortung richtet sich an Medienschaffende und Medien­nutzende gleichermaßen und klärt über Darstellungsmechanismen, Medieninhalte und Medienbildung in Seminaren, Publikationen und Konzepten auf.

    Februar 2020 – Grüne Software? Und Vorab-Info Jubiläumsveranstaltung im April

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    Liebe Interessierte,

    mit allen guten Wünschen für 2020 melden wir uns mit medienverantwortlichen Themen zurück!

    Nicht zuletzt bei der Chaos Computer Konferenz in der Messe Leipzig Ende 2019 war das Thema Umwelt- und Klimaschutz präsent, sondern das Problembewusstsein steigt allgemein. Ob die Bepreisung von CO2 eine Lösung für die anstehenden Probleme ist, wollen wir jetzt nicht erörtern, sondern der Energieersparnis das Wort reden, denn wir können die Erde nicht weiterhin 3x täglich verbrauchen.

    Hier über relevante Zusammenhänge in dem Kontext, auch mit Blick auf den Energieverbrauch von Software (und die Notwendigmachung neuer Hardware usw.) – also, immer gut überlegen, wo das Versenden von Bildern wirklich nötig ist: https://www.youtube.com/watch?v=gBk-w8Li1Qk&list=PL_IxoDz1Nq2aR1jQ8urG84L3i4IytSvwe&index=23.

    „Grüne Software“ gibt es das? Wie kann man das realisieren? Wir empfehlen diesen interessanten Vortrag zum Einstieg!

    Mehr vom 36c3: https://www.youtube.com/channel/UC2TXq_t06Hjdr2g_KdKpHQg.

    Natürlich wollen Technikentwickler nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung sein: https://climateaction.tech.

    So macht das Thema Nachhaltigkeit auch vor dem Hightech-Sektor nicht Halt: https://bits-und-baeume.org/de.

    Global wird alles um den Komplex Sustainability mehr in den Fokus rücken: https://www.thegreenwebfoundation.org.

    Und natürlich gehört zum umweltverantwortlichen Denken auch die jeweilig möglichst lange Nutzung von Gerät und Software und Plastiktüte. Wer beim Smartphone Nachbesserungsbedarf hat in Sachen Technik, kann diese auch bedarfsgerecht und nachhaltig einbauen – und das Gerät erhalten – beim Fairphone: https://www.fairphone.com/de. Wir haben nicht überprüft, ob das der einzige Anbieter dieser Idee ist – aber in diese Richtung sollte es gehen.

    Eine Empfehlung: Tagesspiegel-Newsletters zum Thema Digitalisierung

    https://background.tagesspiegel.de/digitalisierung

    Dies ist ein kleiner, aber hoffentlich nachhaltiger Themeneinstieg für dieses Jahr – wir bleiben dran!

    IMV News – Wir feiern unseren 15. Geburtstag!

    Konferenz „Neue Medien, alte Bildung“

    – Vorträge, Ausstellung „BrexShit“ und kaltes Buffet –

    Safe the Date!!!

    Am 3. April 2020 laden wir anlässlich unseres 15-jährigen Bestehens zur Konferenz „Neue Medien, alte Bildung“ ein. Wir werden dem Mythos des „Digital Native“ nachgehen und mit verschiedenen Referenten aus dem Medien- und Bildungsbereich die Fragen erörtern, die für eine umfassende Medienbildung in der Schule und darüber hinaus im Raum stehen.

    Einmalig wird in diesem Zusammenhang die Ausstellung „BrexShit“ gezeigt!

    Das Thema Brexit wird in pro und contra anhand von im Alltag aufgetauchtem Medienmaterial aus Großbritannien vorgestellt

    Genaueres zum Programmverlauf folgt in Kürze.

    Termin: Freitag, 3. April 2020, Beginn 16 Uhr

    Veranstaltungsort: Haus der Demokratie und Menschenrechte,

    Robert-Havemann-Saal

    Adresse: Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin

    Eintritt: Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten!

    Wer uns bei der Planung und Durchführung unterstützen möchte, jede Hilfe ist willkommen! Bitte melden unter verwaltung@medienverantwortung.de!

    (Spenden: Bankverbindung GLS Gemeinschaftsbank eG, IBAN DE89 4306 0967 1229 8692 00)

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