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    Mai 2020 – Corona und Medientransparenz

    Liebe Interessierten,

    auch wir beginnen mit Corona. Wir haben lange gezögert und tun dies ohne zum Hobby-Virologen zu mutieren. Als Laien können wir die medizinische Sachlage nicht einschätzen. Und das ist auch nicht nötig, um zur Mediendebatte Stellung zu nehmen und Ihnen Kriterien an die Hand zu geben, um Medienprodukte einzuschätzen. Besonders am Herzen liegen uns Hinweise auf mögliche Gefahren durch die Aussetzung von Grundrechen und der Implementierung von Überwachungsmaßnahmen. Wir lehnen die Verknüpfung der Warnung vor Degeneration des Rechtsstaates mit einer Verharmlosung einer möglichen Gefahr für die Gesundheit ab.

    Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie etwa die Aussagen des Charité-Virologen Drosten in den einen Medien in die eine Richtung und in anderen in die andere Richtung zugespitzt werden (weil sie oft nicht auf seine Worte/Primärquelle, sondern auf die Berichterstattung anderer/Sekundärquellen reagieren), kann dies allein dadurch tun, das NDR-Update mit ihm in seiner ganzen Länge wirklich anzuhören: https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html. Ohne die Einschätzung der Influencerin Mai 100{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}ig zu teilen, möchten wir in Bezug auf die Kommunikatonsfähigkeit von Virulogen und die Medienleistungen in dem Zusammenhang gerne Ihr Videoformat empfehlen – auch, weil ihr Format MaiLab zeigt, dass im Netz eben nicht nur Beautyqueens und Verschwörungstheoretiker unterwegs sind: https://www.youtube.com/watch?v=u439pm8uYSk. Zum Abgleich ihrer persönlichen Einschätzung mit dem Auftreten des Virulogen Streeck hier der Vergleich zu einem Interview-Dialog mit Markus Lanz: https://www.youtube.com/watch?v=VP7La2bkOMo. Eine kritische und kontroverse Debatte über die Medienleistungen in dieser Zeit finden Sie auf dem Blog der kritischen Kommunikationswissenschaft an der LMU: https://medienblog.hypotheses.org.

    Als besonders lesens- und empfehlenswert möchten wir den Beitrag von Elisabeth Voß (in Der Rabe Ralf) herausstellen: https://www.grueneliga-berlin.de/publikationen/der-rabe-ralf/aktuelle-ausgabe/corona-aendert-alles. Sie geht auf wichtige HIntergründe ein, die in der medialen Öffentlichkeit weitestgehend unterbelichtet bleiben. Ihre Website scheint uns mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit darüber hinaus lohnenswert: http://www.elisabeth-voss.de. Sicherlich wird zu verfolgen sein, ob und was die Australische Forderung nach einer umfassenden Untersuchung zur Covid-Pandemie und dem Umgang damit zu Tage fördert: https://www.youtube.com/watch?v=8mbztKL15V8.

    Wir empfehlen die Überprüfung kursierender Zahlen – sowohl die Vermeldung absoluter Zahlen von Infektionen ohne Bezugsgrößen (die einmal die FAZ aufgelistet hatte https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/coronavirus-im-faktencheck-wie-toedlich-ist-der-neue-erreger-16618831.html), als auch die über jährlich auftretende Influenza-Infektionen, die Zahlen eines Ausnahmejahres als Durchschnittswert präsentieren. Oder auch der Vergleich zu Toten durch Keime in Krankenhäusern, was in der Tat ein unterschätztes und medial unterbelichtetes Thema in Deutschland ist, weil hier jährlich Tausende Menschen an in Krankenhäusern übertragenenen Keimen sterben – jedoch nicht so viele, wie eine europaweite Zahl angibt: https://www.tagesschau.de/inland/infektionen-101.html und https://www.jungewelt.de/artikel/376912.gesundheitswesen-in-der-brd-krank-durchs-krankenhaus.html. Die Zahlen sind übrigens vage, weil viele Betroffene nicht sofort versterben, sondern oft erst nach Jahren des Kampfes mit bzw. gegen Krankenhauskeime – deren Übertragung durch die ökonomische Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen auf Anraten von Bertelsmann, McKinsey und Leopoldina noch verstärkt wurde, weil zum Beispiel die Desinfektionszeit durch Personalknappheit nicht eingehalten werden kann. Das scheint uns ein Thema zu sein, das Medien als (idealtypische) Vierte Gewalt vermehrt aufgreifen sollten, denn hier stehen deutsche Krankenhäuser – etwa im Vergleich mit den Niederlanden – besonders schlecht da. Eine gute Stelle, um ein schon älteres und jetzt umso aktuelleres Filmprojekt zu empfehlen: http://der-marktgerechte-patient.org. Leider spielen unsere Medien nicht unbedingt eine konstruktive Rolle: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/christian-drosten-corona-krise-coronavirus-virologen-1.4887512.

    Natürlich kann auch eine reale Gefahr missbraucht werden. So geschehen beim Kampf gegen Kinderpornografie, der die Einführung weitreichender Zensurmaßnahmen im Internet ermöglicht hätte – was damals Ursula von der Leyen den zweifelhaften Ehrentitel #Zensursula einbrachte: https://netzpolitik.org/2009/die-dreizehn-luegen-der-zensursula. Auch die diskutierte Klarnamenpflicht oder Zugriff auf Internetprovider zur Bekämpfung von Hasserede liefern hierfür ein weiteres Beispiel. Hatespeech ist gefährlich und müsste juristisch effektiver bekämpft werden. Die vorgeschlagenen Eingriffe in die Internetkommunikation sind allerdings ein durchschaubares Manöver, die relevante #NoHateSpeech-Debatte für andere Zwecke auszunutzen: https://netzpolitik.org/2017/hate-speech-union-und-spd-wollen-klarnamen-internet-durch-die-hintertuere.

    Grunderechte: Den schwierig einzuschätzenden Fall der Anwältin Bahner aus Heidelberg hat das Portal T-Online am regelmäßigsten und sachlich verfolgt. Hier kann sich jede(r) selbst versuchen ein Bild zu machen: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_87707686/corona-anwaeltin-juristin-beate-bahner-darf-psychiatrie-verlassen.html. T-Online fällt uns in letzter Zeit immer wieder als Portal mit eigenständiger Recherche bzw. unabhängiger Fragestellung auf: https://www.t-online.de/nachrichten/wissen/id_87744694/virologe-jonas-schmidt-chanasit-impfstoff-fruehestens-naechstes-jahr-.html. Diese Seite ergänzt sowohl das Podcastfieber in Sachen Corona, als auch das Aufzeigen von Vielstimmigkeit unter den Virologen – und zwar allein schon von denen, die von einer Gefährlichkeit des Virus ausgehen, aber die Folgen unterschiedlich einschätzen. Lesenswert der Kommentar von Thomas Fischer zur notwendigen Grunderechte-Debatte: https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-Vom-Beginn-einer-Skepsis-4710285.html.

    Zur Information über die aktuell propagierten Überwachungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Debatte empfehlen wir neben Netzpolitik.org (z.B. CCC https://netzpolitik.org/2020/ccc-warnt-bundesregierung-vor-zentralistischer-corona-app-covid19-contact-tracing-pepppt-dp3t) auch und besonders Heise.de – etwa ganz aktuell über die Implikationen, die Tracking Apps (jenseits von Freiwilligkeit) bedeuten würden: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Coronavirus-Kontaktverfolgung-wird-Teil-von-Android-und-iOS-4702166.html. Auf dem gleichen Portal ein kritisch-nachdenklicher Kommentar des ehemaligen Richters Peter Vonnahme: https://www.heise.de/tp/features/Corona-Rechtsstaat-auf-dem-Pruefstand-4706155.html?seite=all. Zum Themenkomplex (nachhaltige) Überwachung-(sImplementierung) werden die Augen besonders wachsam bleiben müssen – und teilweise wird es auch schon gemacht (s.o.) und z.B. hier https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-eingriff-in-die-grundrechte-wie-weit-geht-der-staat-100.html oder hier https://www.deutschlandfunk.de/tracking-technologien-was-wir-tun-reicht-weit-ueber-die.694.de.html?dram:article_id=474071 auch in den öffentlich-rechtlichen Medien ernst genommen. Die Süddeutsche Zeitung hat eigens eine Rubrik Überwachung eingerichtet und Beiträge dazu gebündelt: https://www.sueddeutsche.de/thema/{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}C3{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}9Cberwachung. Der Twitterer @tante verweist in einem Thread vom 24. April 2020 mit Link auf das Fraunhofer Institut https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2020/april/proximity-tracing-mit-der-app-gegen-sars-cov-2.html auf die Implikationen der geplanten Tracing App, die weit über eine Kontaktverfolgung hinausgeht und eher in Richtung eines digitalen Gesundheitspasses deuten könnte. Vor einer vergleichbaren Entwicklung warnt Norbert Häring auf seinem Blog und verweist auf das Szenario der Rockefeller Foundation: https://norberthaering.de/die-regenten-der-welt/id2020-ktdi-apple-google. Da könnte am Ende jenseits von Visavergaben und Passkontrollen eine digitale (Flug-)Reiseerlaubnis stehen – verknüpft mit Bonitäts- und Impfprüfung… etc. pp. (vgl. https://www.golem.de/news/gesundheitsaemter-landkreise-fordern-verpflichtende-corona-app-2004-148108.html).

    Auch die sozialen Aspekte dürfen nicht aus dem Fokus geraten: https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-am-rand-der-gesellschaft-wie-die-corona-krise-armut-verschaerft–100.html. Von internationaler Verantwortung – jenseits vom Entsenden von Militärs – ganz zu schweigen: https://www.dw.com/de/fl{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}C3{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}BCchtlingskinder-aus-griechenland-landen-in-luxemburg/a-53135055. Mal sehen, ob die Fridays for Future die Möglichkeiten aufgreifen, die sich als realistisch in der Krise zeigen – plötzlich entscheidet Politik auch gegen Wirtschaftsinteressen und es darf die Frage gestellt werden: Was braucht der Mensch (eigentlich – und was nicht)? Auch ökologische Gedanken und Forderungen gehen langsam in die Mediendebatte ein, wie hier ansatzweise in der FAZ https://www.faz.net/aktuell/finanzen/massive-staatshilfen-fuer-air-france-klm-16741361.html. Aber die in die gleiche Richtung tednierenden Forderungen der FFF, nicht das alte und umweltschädliche Wirtschaften zu subventionieren, wird immer noch als Gegensatz zur Corona-Krise geframed: entweder Corona- oder Klima-Hilfe. Das ist ein künstlich formulierter und kein realer Widerspruch. Diesen Ansatz konnte man in der empfehlenswerten Titel-Thesen-Termperamente-Sendung vom 26. April 2020 finden: https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/index.html.

    Besonders muss hinterfragt werden, wie heterogen die Beratungsgremien für die Politik sind, ob sie überhaupt die Auswirkungen der Maßnahmen für die gesamte Gesellschaft einschätzen können: https://ze.tt/leopoldina-warum-expertinnenteams-zu-homogen-sind-corona-krise. Und natürlich muss immer hinterfragt werden, wie vehement Lobbygruppen im politischen Berlin agieren – wir dürfen davon ausgehen, dass die Pharmaindustrie dort gut vertreten ist. Dass man sich einen heilsbringenden Impfstoff wünscht, lässt sich natürlich auch ausnutzen. Wir verweisen in dem Zusammenhang auf Erfahrungen mit der Schweinegrippe, die damals von der Tagesschau kritisch kommentiert wurden: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/schweinegrippe450.html. Im Gegensatz dazu darf man sich fragen, welches Mandat und welche Qualitfikation eigentlich Bill Gates hat, dass er minutenlange Sendezeit zur Primetime in der Tagesschau als deutschlandweite TV-Hauptnachrichtensendung und auf deren Youtube-Kanal erhält: https://www.youtube.com/watch?v=083VjebhzgI.

    Wir haben hier auch auf Anfragen reagiert, die uns in letzter Zeit erreichten. Gerne geben wir wieder zusammenfassende und überprüfte Informationen heraus, wenn dies gewünscht wird! Auch hier äußern wir uns regelmäßig: www.medien-meinungen.de – @IMV_Berlin und @IMVErlangen auf Twitter – auf Facebook findet Ihr uns unter dem Institutsnamen. Und nein, wir werden im Moment keinen Podcast und kein neues Video-Format auflegen. Um das in angemessener Qualität tun zu können, dafür fehlen uns schlicht die Ressourcen.

    IMV News

    In der aktuellen Krise zeigt sich, wie wichtig es ist, dass Medien ihre Arbeit transparent machen und sagen, wie sie arbeiten und weshalb sie was für relevant einschätzen und anderes nicht – ob und wie sie Gegenthesen überprüft haben und überhaupt, wie denn Qualität in Qualitätsmedien entstehen soll bzw. beurteilt werden kann.

    Dazu laden wir auch in diesem Jahr wieder zu unserer Woche der Transparenz ein, wo Medien aufgefordert sind, ihren Beiträgen den Entstehungskontext vorzuschalten und damit für das Publikum die Arbeitsweise transparent zu machen. Dies ist ein aktiver Beitrag zur Medienbildung und schafft Vertrauen – jenseits irrationaler Glaubensbekenntnisse.

    Unsere Pressemitteilung zur Transparenz-Woche finden Sie hier:

    Unsere neue Website ist – mit noch einigen Macken – nun online. Wenn Euch etwas auffällt, meldet uns das bitte gerne!

    Und wer uns bei der Finanzierung unterstützen oder andere darauf aufmerksamk machen möcht, kann dazu auch diesen Link verwenden: https://www.gofundme.com/f/medienverantwortung-fordern. Mit herzlichem Dank!

    März/April 2020 – Eingabe beim Presserat, Verlegung Jubiläumsfeier KurzKonferenz

    Liebe Interessierten,

    auch wir sehen uns gezwungen, die für den 3. April 2020 geplante Jubiläumskonferenz „Neue Medien – alte Bildung, Jung&Alt zusammenbringen“ im Haus der Demokratie und Menschenreche abzusagen. Wir planen die Veranstaltung im Januar 2021 nachzuholen.

    Um konstruktiv zu bleiben verweisen wir auf den Relaunch unserer Website und bitten um Spenden, um diese noch bedienungsfreundlicher zu gestalten. Für bereits eingegangene Unterstützungsgelder bedanken wir uns recht herzlich und übersenden – wie immer – gerne eine Spendenbescheinigung.

    Eingabe beim Presserat

    Das IMV setzt sich schon lange für den Erhalt und Ausbau des Pressekodex ein, der ja weit über die Druckmedien hinaus eine wichtige Richtschnur für medienethische Fragen darstellt.

    Dazu gibt es seit 2003 immer wieder Stellungnahmen, die unter https://imv.blog-upcycling.de/projektbeispiele/ s.v. „Ergänzung der Presseratsrichtlinie“ einzusehen sind. Leider ist es uns nicht gelungen, die Aushölung der Richtlinienergänzung 12.1 zu verhindern.

    Nicht erst seit den Anschlägen in Hanau, wo die Frage nach der Bildverwendung von Shishabars in welchen Kontexten aufkam, sollte sich der Presserat Gedanken um eine Richtlinienergänzung 12.2 machen, die die Verwendung von Symbolbildern kritisch reflektiert – wie von uns 2005 erstmalig vorgeschlagen. Zum aktuellen Vorschlag „Zum medialen Umgang mit Symbolbildern“ siehe unsere Pressemitteilung vom 21. Feburar 2020: https://medien-meinungen.de/2020/02/hanau-mahnt-zum-medialen-umgang-mit-symbolbildern.

    Aufgrund der besonderen Umstände entfällt der April-Newsletter.

    März 2020- Hanau mahnt

    Liebe Interessierten,

    dass aus Worten Taten werden, davor warnen wir seit unserer Gründung vor 15 Jahren!
    Wir plädieren dafür, Sprache in ihrer Handlungs- und vor allem Zeigefunktion ernster zu nehmen und deren Gebrauch zur Zuweisung (problematischer) Eigenschaften auf ganze Gruppen kritisch zu überdenken – dies ganz besonders in den Medien als wichtige Schaltstelle für die Verbreitung von Aufklärung, aber auch von Ressentiments.
    Die Anschläge von Halle, Hanau und bereits die Morde des sogenannten NSU und inzwischen unzählige Übergriffe im Alltag machen deutlich und mahnen, dass wir ein gesellschaftliches Problem mit Rassismus haben. Die Vorortung dieses Problems bei rechtsextremen Rassisten wie pi-news im Netz, Pegida & Co. auf den Straßen oder der AfD in den Parlamenten mag ein verführerischer Reflex sein, sich eine rassismusfreie, aufgeklärte Mitte vorzustellen und die Kehrseite der Moderne neoliberaler Verwertungsgesellschaften zu verleugnen, die auf Konkurrenz und Ausgrenzung setzt.
    Nicht zuletzt die Toten von Hanau mahnen, dass mit dieser Selbstidealisierung Schluss sein muss. Spüren wir den Rassismus auf, entlarven ihn und laden zur Selbstreflexion ein – denn niemand ist gefeit davor, mit seinen Schubladen im Kopf konfrontiert zu werden! Aufklärung bedeutet, sich das dann eben anzusehen, ggf. anzunehmen und bestmöglich zu korrigieren.
    Ein paar Beispiele für Diskussionswürdiges:
    Kurz nach dem Anschlag in Hanau fragt man in den Heute-Nachrichten „Ist Multi-Kulti gescheitert?“ und bedient damit sowohl rechte Frames, als auch die Aussage von Angela Merkel von vor ca. 10 Jahren. Da nützt auch kein Integrationsgipfel nichts, wenn man vonseiten der Bundesbehörden die Mär von der „Migration als Mutter aller Probleme“ bedient. Medien hätten hier die Rolle des kritischen Aufklärers, der Vierten Gewalt, statt die des Kolporteurs.
    Immer wieder ist in Medien jedoch das Narrativ von „Fremdenfeindlichkeit“ bei der Berichterstattung über den Anschlag in Hanau zu vernehmen. Damit werden die Opfer rassistischer Gewalt posthum zu Fremden erklärt. Ja, es ist so subtil und geht weit über die verbreitete Diskussion um politisch korrekte Begrifflichkeiten hinaus.
    Im „heute Journal“ des ZDF vom 28.02.2020 ca. ab Minute 15.30 Uhr:
    Es geht um die AfD und deren Diskussion um Rassismus in den eigenen Reihen nach dem Terroranschlag in Hanau. Claus Kleber fragt einleitend zum dann eingespielten Beitrag „Geht’s da nur um rassistische Sprache und Parolen oder geht es um tatsächlich tiefere Einsichten?“ https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-28-februar-2020-100.html


    Das ODER stellt die rassistische Sprache den tieferen Einsichten gegenüber und ordnet erstere unter, sprich: rassistische Sprache und Hatespeech, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen können, wird in den Hauptnachrichten unterschätzt.
    Es gab und gibt freilich schlimmere Beispiele als die des ZDF, aber auf das BILD-Niveau des Springer-Verlags wollen wir uns garnicht begeben – aber aufzeigen, dass Rassismus in der Mitte gepflegt wird: Etwa der Cicero scheint derzeit zu einem dehumanisierenden Blatt in Zeiten von Fluchtdebatten zu werden … Für die Entscheidung zu diesem Gastbeitrag beispielsweise werden folgende Frames aktiviert: https://www.cicero.de/aussenpolitik/fluechtlingskrise-eu-erdogan-tuerkei-syrien-russland-diplomatie: Eine humanitäre Krise gäbe es erst seit der Grenzöffnung durch die Türkei, Europa müsse (die Menschlichkeit) von 2015 verhindern …
    und dies prominent platziert in einem Medium der Mitte.
    Wir müssen uns mehr mit den subtilen Formen von Hassrede befassen, die weit über die Entscheidung für oder gegen einen Begriff gehen. Es geht um die Schärfung des Blicks für die Subtilitäten, die so manchem garnicht auffallen mögen, weshalb sie Schilderungen wie die von Alice Hasters nicht verstehen wollen: https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/alice-hasters/
    Rassistische Einteilungen werden jedoch auch von den markierten Gruppen übernommen und perpetuiert, wie Sabine Schiffer hier beschreibt: https://www.migazin.de/2020/03/02/wenn-die-rassistische-saat-aufgeht.

    IMV News
    Unser Konferenzprogramm für den 3. April 2020 ist fertig und kann demnächst auf der neuen Website eingesehen werden.
    Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Wer nur spenden möchte, kann dies gerne hier tun: https://www.medienverantwortung.de/impressum. Wir bedanken uns im Voraus!

    Sonder-Newsletter 2020 Einladung zur Jubiläumskurzkonferenz im April 2020

    Veranstaltungsort: Haus der Demokratie und Menschenrechte,
    Robert-Havemann-Saal, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
    Einlass 15.30 Uhr
    Eröffnung Institutsleiterin Prof. Dr. Sabine Schiffer
    Ausstellungseröffnung 16.00 Uhr, Dr. Xenia Gleißner
    Grußworte 16.45 Uhr
    Vertreter des IMV-Förderkreises
    Mittelhof e.V.: Markus Schönbauer, Geschäftsführung
    Psychologische Beratung Berlin: Dipl. Psych. Thomas Haudel

    17.00 Uhr Kurzvorträge und Podium:
    Prof. Dr. Sabine Schiffer, Gründerin und Leiterin des Instituts über die Forderung nach einem Schulfach Medienbildung und der Aufgabe kritischer Medienkompetenz

    • Julia Krüger – Netzpolitik und Datenschutz: Was muss ich selber tun/wissen?
      Dipl. Politik-Entwicklerin mit starkem Fokus auf moderner Kommunikation, Künstliche Intelligenz, Datensicherheit, Partizipation und Selbstbestimmung
    • Thomas Nehls – Journalismus contra Fake-News: Wie geht das?
      Langjähriger ARD-Radiokorrespondent mit Erfahrungen in Print und TV und dem Schwerpunkt auf Außen- und Sicherheitspolitik
    • Franziska Wessel, FridaysForFuture Berlin – Wie wir arbeiten. Schule und kritische Bildung, oder: Woher kommt das Know how von Klima-Influencern?
      Die 16-jährige Schülerin ist Mitorganisatorin der Fridays for Future und Pressesprecherin für Berlin
    • Regine Pfeiffer – Games als Glücksspiel: Abzocke-Strategien im Netz
      Die ehemalige Lehrerin begann mit 65 – als „Freie Mitarbeiterin des KFN Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen“ – die Erforschung von Online-Spielen zur Frage: Inwiefern tragen Glücksspiel-Elemente in Games zur Entstehung von Sucht bei? Nach „World of Warcraft“ widmete sie sich sog. „free-to-play“-s, die heute der große Hype sind und deren exzessive und süchtig machende Nutzung vor allem Jungen betrifft, die damit zum Bildungsverlierer im Gender-Gap zu werden drohen.
      Moderation: Sabine Schiffer

    19.30 Uhr Stehempfang mit Imbiss
    Nach kurzen Vorträgen werden wir auf dem Podium und mit dem Publikum ins Gespräch kommen und weitere Fragen und Notwendigkeiten rund um den Themenkomplex Medienbildung (an Schulen und darüber hinaus) erörtern.


    Veranstaltungsinfo

    Neue Medien, alte Bildung
    Jung & Alt zusammen denken

    Gerade werden wieder Stimmen aus Wissenschaft und Politik laut, dass wir Medienbildung an Schulen brauchen. Das Institut für Medienverantwortung IMV fordert von Anfang an ein solches Schulfach, entsprechende Lehrplankommissionen, evaluiertes didaktisches Material und Fortbildungen für Lehrkräfte, aber auch den Journalismus und die Mediennutzenden als lebenslanges Lernen – und zwar nicht nur mit Blick auf Technik, sondern auch und gerade bezüglich kritischer Beurteilungskompetenzen.
    Zu unserem 15-jährigen Institutsjubiläum wollen wir erörtern, wie die künstlich geschaffene Lücke zwischen den Generationen wieder geschlossen werden kann. Im Interesse der IT-Branche liegt die Beschwörung sogenannter „Digital Natives“, die besser gerüstet seien für die digitale Welt als ihre Eltern und Großeltern. Die Realität ist komplexer. Technische Versiertheit bedeutet nicht automatisch, souverän und selbstbestimmt die technischen Angebote für eigene Zwecke zu nutzen. Ältere gelten schnell als Hinterwäldler oder Bewahrpädagogen. Dabei nutzen „die Alten“ die Angebote auch, aber anders. Aber auch hier gibt es Wissenslücken und Weiterbildungsbedarf in Sachen Mediennutzung, Einschätzung der Inhalte und Datenschutzfragen. Gerade machen es die FridaysForFuture vor, wie das kritische Hinterfragen von Schülern ihre Wissensquellen findet und sich ernsthaft in den Diskurs einbringt.
    Darum ist es wichtig die Kenntnisse der älteren und die der jüngeren Generation wieder zusammenzubringen. Beide können voneinander lernen und Kompetenzen zusammenfügen – dafür sind Familie, Schule und Kinderbetreuung geeignete Orte.
    Im Rahmen der Nachmittagskonferenz werfen wir einige Schlaglichter auf die Thematik in Form unterschiedlichster Referierender. Sie ist als Auftakt für den Austausch mit Bildungsträgern geplant und soll beginnen herauszuarbeiten, welche Aspekte in einem Schulfach Medienbildung Berücksichtigung finden müssen.

    Ausstellungsinfo

    Ausstellung BrexShit – nur am Konferenzabend
    Viel ist seit dem Brexit-Referendum über das Leben in Großbritannien geschrieben und dokumentiert worden. In den offiziellen Medien in England beherrschen Debatten im Britischen Parlament und Politintrigen die Debatte, sowie Reporter, die in verarmte Städte im Norden des Landes reisen, um Menschen auf der Straße nach ihren Hoffnungen für einen erfolgreichen Brexit zu befragen. Was sich auf Twitter, in Memes und Karikaturen abspielt, in der Maske von einfachem Spott und Satire bis hin zu Äußerungen tiefsitzender Vorurteile, begleitet seit dem Referendum jeden in England durch den Alltag.
    Dr. Xenia Gleißner und ihr Partner zeigen zum ersten Mal in Deutschland ihre Ausstellung zum Thema. Beide leben und arbeiten in London und zeigen eine Zusammenstellung von Werbematerial seit 2016 für und gegen den Schritt der Briten, die EU zu verlassen. Sie schildern damit aber nicht nur ihre persönlichen Eindrücke aus dem Alltag, sondern beschreiben auch die in Großbritannien herrschende und in den deutschen Medien kaum geschilderte Stimmung. Zeitungen, Flyer und Fotos von Protestmärschen wirkten als einzelne Exponate unscheinbar, in der Zusammenschau bieten sie ein eindrückliches Bild von einer Zuspitzung und Polarisierung, die jeden Haushalt erreicht hat und die ehemaligen EU-Bürger bis heute prägt.
    Im Anschluss an die Ausstellungseröffnung kann in einer Gesprächsrunde eine weiterführende Analyse der Meinungsbildung in Großbritannien stattfinden, die unter anderem auch durch manipulative Eingriffe mittels Algorithmen-gesteuerter Software beeinflusst wird.

    Der Eintritt ist frei. Um eine Spende wird gebeten!
    Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

    Teilnahmebestätigung bitte an verwaltung@medienverantwortung.de
    Das Institut für Medienverantwortung ist gemeinnützig, Spenden sind steuerabzugsfähig.
    Spendenkonto: IMV gUG, GLS Gemeinschaftsbank eG, IBAN DE89 4306 0967 1229 8692 00.
    Werden Sie Mitglied im gemeinnützigen Förderkreis des Instituts http://www.medienverantwortung-foerderkreis.de und sichern Sie unsere Arbeit nachhaltig!

    About IMV
    Das Institut für Medienverantwortung richtet sich an Medienschaffende und Medien­nutzende gleichermaßen und klärt über Darstellungsmechanismen, Medieninhalte und Medienbildung in Seminaren, Publikationen und Konzepten auf.