Jetzt unterstützen
Sie hören:
x
x

    Schluss mit 2020 – auf ein besseres 2021! Sonder-Newsletter Dezember 2020

    Liebe Interessierten und Unterstützer,

    dieses Jahr war besonders außergewöhnlich und hart – im Vergleich zu vielen anderen sind wir bisher noch einigermaßen glimpflich davon gekommen. Also, uns gibt es noch – aber so langsam droht uns die Puste auszugehen. Zum Glück haben die meisten von uns noch ein anderes Standbein, sonst hätten wir bereits aufgeben müssen.

    Unsere 15-Jahreskonferenz haben wir nach zweimaligem Verschieben für dieses Jahr ganz abgesagt. Auch vieles andere konnte nicht stattfinden, einige Fortbildungsveranstaltungen und Interviews wurden ins Internet verlegt. Wir haben teilweise die reduzierten Möglichkeiten dazu genutzt, um Grundsätzliches auf den Weg zu bringen. Den Relaunch der Websites und zwei Buchprojekte. Constantin Wagner und Sabine Schiffer haben die zweite Auflage von „Antisemitismus und Islamophobie, ein Vergleich“ überarbeitet.

    Und Sabine Schiffer hat ihre langjährige Erfahrung und Methodenwissen in ein Lehrbuch zur kritischen „Medienanalyse“ verpackt. Dieses soll am 1. Februar 2021 erscheinen und wird der Auftakt zu einer neuen Wissenschaftsreihe beim Westend-Verlag sein, mit einem Ansatz angewandter Wissenschaft und dem Anspruch auch für die Medienbildung in Schulen zu taugen. Natürlich werden wir nicht müde, weiterhin ein Schulfach Medienbildung zu fordern.

    Wie man im politischen Bereich den Eindruck hat – zum Beispiel beim Auflegen nachhaltig demokratieeinschränkender Gesetze, wie dem Infektionsschutzgesetz – so scheint auch im Bildungsbereich die Situation für manche günstig, um Fakten zu schaffen. Die Behörden haben es zum großen Teil versäumt, eigene datensichere Plattformen zu schaffen, um Schüler nicht den Großkonzernen der IT-Branche auszuliefern, wenn sie digital beschult werden. Dazu haben wir einige Pressemitteilungen herausgegeben und verweisen hier noch einmal auf den Blog des Bundestagsabgeordneten Kuketz, der immer wieder wichtige Beiträge rund um die Thematik bereit hält: www.kuketz-blog.de.

    Im Laufe des Jahres sind Fachartikel erschienen, die Sie in diesen Büchern finden:
    „Diskursintervention“https://www.springer.com/de/book/9783658305581
    und „Medienkritik“https://www.halem-verlag.de/medienkritik-zwischen-ideologischer-instrumentalisierung-und-kritischer-aufklaerung

    Zum Thema Corona-Berichterstattung sind wir auf der Linie von Stephan Ruß-Mohl, der in der Süddeutschen Zeitung mit „DaS Corona-Panikorchester“ einen bedenkenswerten Beitrag geleistet hat: https://www.sueddeutsche.de/medien/russ-mohl-gastbeitrag-corona-panikorchester-1.5075025. Weit davon entfernt, die Problematik dieses Virus zu leugnen, plädieren auch wir für eine realtische Einordnung der Thematik in andere lebensbedrohende Aspekte – womit wir gleichzeitig allen, die jegliche Relevanz und Gefahr von Covid19 leugnen, eine Absage erteilen. Bereits in unserem Newsletter vom Mai hatten wir entsprechend Stellung genommen: https://imv.blog-upcycling.de/2020/05/11/newsletter-mai-2020-2. Dass nun Kritiker der Maßnahmen oder auch andere kritische Stimmen in den sogenannten sozialen Medien Druck von großen Plattformen erfahren und Zensur erleben, ist ein dennoch ein ernstzunehmendes Problem – es beginnt immer dort, wo wir anfangen (staatliche oder private) Zensur zu akzeptieren (meistens dann, wenn es um anschlussfähige Themen wie Pornografie, Extremismus oder Kindesmisshandlung geht). Natürlich trifft die Verfolgung und Eindämmung von Fake-News am Ende nicht nur echte Manipulatoren, sondern immer auch die kritischen Stimmen, die sich weigern im „Mainstream“ mitzuschwimmen. Wer den Beitrag von Prof. Ruß-Mohl liest, versteht, dass es einen solchen Mainstream gibt.
    Es bleibt also, das wachsame Auge in alle Richtungen auch im nächsten Jahr zu behalten. Wir wollen das weiterhin kritisch und besonnen tun – und durch Ihre Unterstützung ist das möglich.

    An dieser Stelle einen herzlichen Dank an diejenigen, die durch kleine bis große Spenden dazu beitragen, dass unseren Arbeit auch in diesen schwierigen Zeiten fortgeführt werden kann.
    Wer das noch möglich machen kann, dem gilt unser Dank bereits im Voraus!
    Und wer von Ihnen ein ganz konkretes Vorhaben unterstützen möchte: unbedingt möchten wir Xenia Gleißners Ausstellung „Brexit – BrexShit“ möglichst bald zumindest online zeigen (zur Jahreskonferenz ging das ja leider nicht). Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt: https://www.betterplace.org/de/projects/85971-brexshit-oder-brexit-eine-ausstellung

    Allen alles Gute, einen klaren Kopf und Gesundheit fürs nächste Jahr und darüber hinaus!

    Pflege und das Versagen der Märkte – IMV Newsletter November 2020

    Liebe Interessierten,

    die Mär von den Märkten, die angeblich alles richten, ist zuletzt erneut durch den Streit um die Gehälter der Pflegekräfte als Mythos entlarvt worden. Wenn dem so wäre, müsste die Pflege der am besten bezahlte Beruf sein angesichts der großen Nachfrage bei kontinuierlich niedrigem Angebot von qualifiziertem Personal. Hier warnt eine Krautreporterin davor in der Berichterstattung über die steigenden Corona-Zahlen, nur leere Intensivbetten zu zählen: https://krautreporter.de/3549-hort-auf-freie-intensivbetten-zu-zahlen.

    Apropos, Corona-Berichterstattung – die Frage der Proportionalität stellt sich natürlich und die Frage, ob die politische Handlungsbereitschaft nicht eng mit dem medialen Umgang mit den Themen zu tun hat: www.sueddeutsche.de/medien/russ-mohl-gastbeitrag-corona-panikorchester-1.5075025.

    Der Streik der Pflege im Oktober – hier die Kampagnenseite der Gewerkschaft Verdi (https://rps.verdi.de/branchen-und-berufe/gesundheit-soziales/pflege-auf-stand) – löste geteiltes Echo aus. Manche erinnerten sich an das Beklatschen als „Corona-Helden“, anderen fanden gerade in der Krisenzeit einen Streik unangebracht. Medien positionierten sich ambivalent und versteckte sich gerne auch mal hinter Fragezeichen:

    www.br.de/nachrichten/wirtschaft/pflege-streik-trotz-corona-fair-oder-verantwortungslos,SDZj5Te

    www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/warnstreiks-sollen-corona-helden-mehr-geld-bekommen-trotz-wirtschaftskrise-a-00000000-0002-0001-0000-000173444531

    Die taz hat den Diskurs nachgehalten:

    https://taz.de/Streiks-in-der-Pandemie/!5711770

    https://taz.de/Warnstreik-der-Pflegekraefte/!5713313

    Offen bleibt, wie es in privaten Pflegediensten aussieht – man ringt um Arbeitskräfte, viele gut Ausgebildete geben nach einigen Jahren auf wegen der schlechten Arbeitsbedingungen, aber die Bereitschaft höhere Löhne anzubieten, scheint nicht vorhanden. Tatsächlich gab es in diesem Sommer eine Einigung auf einen „Pflegemindestlohn“ – unglaublich empörend: https://gesundheit-soziales.verdi.de/themen/pflegepolitik/++co++b83195ba-cef4-11e7-85f9-525400423e78.

    Medien als Vierte Gewalt wären hier gefordert. Es gibt durchaus kritische Stimmen, einige hier oben, aber die Dominanz der Arbeitsgebersicht scheint ungebrochen – erinnert sei an die Streiks der GDL oder die des Flugpersonals. Wenn sich das mit Blick auf die Pflege in Corona-Zeiten nicht ändert, wann dann?

    IMV News

    Aufgrund der neuen Zahlen und Bestimmungen werden wir die Konferenz zu unserem 15-jährigen Bestehen am 20. November in Berlin nicht abhalten. Alle anderen Termine werden ebenfalls abgesagt. Wenn es uns im nächsten Jahr noch gibt, dann holen wir im Sommer auf jeden Fall ein Netzwerktreffen nach – und prüfen jetzt digitale Angebote. Wer kann und möchte, wir danken für jede Unterstützung!

    Weiter geht unsere Debatte über Medienleistungen und –versagen mit einem neuen Beitrag von Uwe Schnabel. Bitte nachlesen und beteiligen auf: www.medien-meinungen.de!

    Der Assange-Prozess und die Berichterstattung – IMV Newsletter Oktober 2020


    Liebe Interessierten,

    derzeit findet in London ein wichtiger Prozess statt, der Auslieferungsprozess gegen Julian Assange. Der Wikileaks-Verantwortliche soll in die USA überstellt werden, wo ihm 175-Jahre Haft drohen. Angesichts der Bedeutung des Verfahrens für die #Informationsfreiheit, die den Journalismus nachhaltig betreffen wird, ist das Medienecho in Deutschland verhalten.

    Im Vergleich zum Vergiftungsfall #Nawalny als Dauerbrenner in den Nachrichten, findet das Auslieferungsverfahren im täglichen Nachrichtenfluss keinen Platz.

    Aber, es gibt Berichterstattung – auch und gerade von mitbetroffenen Medien, die zusammen mit Wikileaks Dokumente veröffentlicht haben und Kriegsverbrechen aufdeckten (wie z.B. der Spiegel).

    Hier aber zunächst ein paar Hinweise auf Prozessbeobachter und deren Beitrag zur Transparenz in dem sich als Schauprozess gerierenden Verfahren:

    Dustin Hoffmann, Jurist und Büroleiter von Martin Sonneborn (DIE PARTEI) in Brüssel
    https://www.youtube.com/c/DustinHoffmann und https://twitter.com/dhbln

    Rebecca Vincent von Reporter ohne Grenzen
    https://twitter.com/rebecca_vincent?lang=en
    [die Twitter-Links sind ohne Anmeldung sichtbar]

    Craig Murray, your Man in the Public Gallery (früherer Botschafter)
    https://www.craigmurray.org.uk/

    Hier gibt es eine Übersicht über die wenigen Journalisten, die über den Prozess berichten:
    https://shadowproof.com/2020/09/21/guide-to-journalists-assange-trial-upset-by-media-blackout

    In Deutschland finden sich einige Magazinbeiträge, die auch deutlich machen, welche Fake-News über Assange verbreitet wurden bzw. wie versucht wurde, das Whistleblowing zu personalisieren.
    Daniel Ellsberg, der mit seinem Leak der Pentagon Papers zum Ende des Vietnam-Kriegs beitrug, nimmt klar Stellung – als Zeuge bei Gericht und hier:
    www.democracynow.org/2020/9/17/daniel_ellsberg_julian_assange_extradition_case
     
    Ohne Wikileaks hätte das CIA-Folter-Opfer Khaled el-Masri nicht beweisen können, was ihm widerfahren ist – und dass die deutsche Regierung aufgefordert wurde still zu halten…
    https://shadowproof.com/2020/09/18/khaled-el-masri-stands-up-to-cia-intimidation-supports-assange-during-extradition-trial/
     
    Und nun zu deutschen Medienbeiträgen zum #AssangeCase:
    Wikileaks – Die USA gegen Julian Assange, 7.09.2020,
    Reportage & Dokumentation, Das Erste
    https://www.ardmediathek.de/ard/video/reportage-und-dokumentation/wikileaks-die-usa-gegen-julian-assange/das-erste/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3JlcG9ydGFnZSBfIGRva3VtZW50YXRpb24gaW0gZXJzdGVuLzI0MGRiYzlkLWFkNGMtNDRmMy1hZjBmLThiNzJiYTVmODQyNQ/

    Der Spiegel
    https://www.spiegel.de/politik/ausland/wikileaks-showdown-in-london-wird-julian-assange-ausgeliefert-a-eb0ee580-5c49-49ea-b178-e4798e184494

    ZAPP-Medienmagazin (NDR): „Entkräftet: Verschwörungsberichte über Julian Assange“
    https://www.youtube.com/watch?v=aXifpeC6990

    Günter Wallraff und Sigmar Gabriel im Tagesspiegel
    https://www.tagesspiegel.de/politik/gangsterhafte-verschwoerung-gegen-wikileaks-der-aufklaerer-assange-als-unperson/26176240.html

    Deutsche Welle (hat richtig gelabelt: Pressefreiheit)
    https://www.dw.com/de/usa-gegen-julian-assange/a-54817342

    Die Tageszeitung taz druckt eine AFP-Meldung
    https://taz.de/Assange-Verfahren-wird-fortgesetzt/!5712678/

    Die Welt greift die Psychiatrisierung des Gefangenen auf
    https://www.welt.de/vermischtes/article216312794/Julian-Assange-hoert-Stimmen-Psychiater-sieht-hohes-Suizid-Risiko.html

    Berliner-Zeitung
    https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/der-prozess-gegen-julian-assange-zieht-sich-in-die-laenge-li.105891

    Neues Deutschland
    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1141723.julian-assange-prozessbedingungen-intolerabel.html 

    Junge Welt verweist auf Consortium News
    https://www.jungewelt.de/artikel/386892.nachschlag-mysteri{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}C3{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}B6ser-zufall.html?sstr=Assange

    Junge Welt über die Petition internationaler Politiker und Prominenter
    https://www.jungewelt.de/artikel/386851.internationale-politiker-unterst{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}C3{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}BCtzen-assange.html?sstr=Assange
     
    Und hier zur Petition von Reporter ohne Grenzen:  https://rsf.org/en/free-assange
     


    IMV News
    Es geht weiter mit den Leserzuschriften… bzw. hier mit dem Link auf Beurteilungskriterien für Medienqualität, die uns Uwe Schnabel aus Dresden geschickt hat: https://medien-meinungen.de/2020/09/beurteilungskriterien-fuer-medienbeitraege-fortsetzung-der-leserbriefreihe. Wir freuen uns auf weitere rege Beteiligung!
     
    IMV Termin
    06.10.2020, 19 Uhr, Muslemische Kulturtage in Karlsruhe
    Prof. Dr. Sabine Schiffer, Vortrag: Islam in den Medien
    Anmeldung unter;
    https://eveeno.com/islamindenmedien

    IMV Newsletter September 2020 – Von der Journalist’s Journey zur Leser_innen Journey

    Liebe Interessierten,
    dieser Newsletter beginnt mit einem Leserbrief. Es folgen noch weitere Texte von Uwe Schnabel aus Dresden, der in seinem politischen Engagement viele Erfahrungen mit Medien gemacht hat und ein kritischer Beobachter des Zeitgeschehens ist. Seine Überlegungen und Kriterien der Beurteilung dürfen gerne zu weiterer Diskussion anregen – im Newsletter, aber auch auf unserem Blog www.medien-meinungen.de.

    Leserbrief:
    Im IMV-Newsletter Juni 2020 vom 02.06.2020 wurde der journalistische Arbeitsalltag unter der Überschrift „Die Journalist’s Journey – Von der Idee zum Text“ beschrieben. Gleichzeitig wurde angeboten, dies als Beginn von Beiträgen zu diesem Thema zu sehen. Dieses Angebot nehme ich gern an.

    Dabei verwende ich verschiedene geschlechtsneutrale Bezeichnungen (z.B. „I“, „*“, „_“). Ich könnte in diesen Fällen auch generell die weibliche Form verwenden können. Aber ich wollte betonen: Männer sind in diesen Fällen immer mitgemeint. 😉
    Ich selbst bin kein*e JournalistIn, Medien- oder Kommunikationswissenschaftler_in. Ich beobachte und analysiere nur aufmerksam und kritisch. Dabei ist mir einiges ein- und aufgefallen. Diese Beobachtungen teile ich gern, jeweils verbunden mit Fragen.

    Zum Text aus dem IMV-Newsletter Juni 2020 (alle Zitate aus dem Text https://imv.blog-upcycling.de/2020/06/04/newsletter-juni-2020):
    Ähnliche Aussagen über Abläufe im journalistischen Arbeitsalltag in den Redaktionen kenne ich auch aus verschiedenen anderen Quellen, z.B. von einer Regionalzeitung. Bevor ich aber dazu komme, einige Zitate aus dem Newsletter:
    „vor der Arbeit machen sich viele Redakteur*innen schon ein Bild von der Nachrichtenlage des Tages via Radio, Social Media und TV, bzw. Print- und Online-Nachrichten der Konkurrenz.“ „Material aus den Nachrichtenagenturen beziehen,“ „die genau so übernommen werden können“ „Grundsätzlich ist wichtig zu wissen, dass vorformulierte Information Zeit spart und dadurch für Journalist*innen so notwendig wie praktisch ist.“
    Ist es dann ein Wunder, wenn so der Eindruck entsteht, viele Medien schreiben das Gleiche? Und warum wurden bei der Aufzählung (z.B. „Agenturen“, „staatliche oder öffentliche Institutionen“, „Polizei und Bundesbehörden“) PR-Agenturen oder direkt wirtschaftlich Mächtige nicht erwähnt?

    „Welche Zielgruppe will das Medium ansprechen? Platt gesagt: Bei der taz würde der runde Todestag von Che Guevara sicher stärker das Kerninteresse der Leser*innen treffen, als bei der FAZ.“
    Ist das nicht die Beschreibung von Echokammern und Filterblasen? Führt das nicht dazu, dass die Gesellschaft in verschiedene Gruppen aufgespalten wird, die jeweils sich in ihrer Meinung bestätigen?

    „Welche Ideen haben Redakteur*innen, welche fachlichen und persönlichen Interessen und Spezialgebiete bringen sie mit?“
    Nur die Redakteur*innen? Oder gibt es auch eine prinzipielle Tendenz des jeweiligen Mediums („Als eher konservativ ausgerichtetes Medium“)? Und gibt es insgesamt in der Gesamtgesellschaft eine vorherrschende Tendenz, den Mainstream (s.o.)? Hat diese Tendenz etwas mit den wirtschaftlichen und politischen Machtverhältnissen zu tun? Sollte nicht überhaupt gefragt werden, welche bewussten oder unbewussten Interessen hinter einer bestimmten Darstellung stehen, selbst wenn diese nicht ausdrücklich genannt werden?

    „Letztendlich kommt es auch darauf an, wer auf welchen Zugang kommt und wer sich mit seinem Thema durchsetzen kann.“
    Führt das nicht dazu, wer die meiste Macht hat, setzt sich im Regelfall durch?

    „Kommt es aber an diesem Tag zu einem unvorhergesehenen Ereignis, dem die Redaktion z.B. internationale Bedeutung beimisst – wie eine Naturkatastrophe, eine weitreichende politische Wende oder ein terroristischer Akt – so wird diesem Ereignis nachrichtlich Vorrang gegeben.“ „Bei „größeren“ Verbrechen, Unfällen oder Katastrophen“
    Warum werden gerade solche Ereignisse als wichtig betrachtet? Wird damit nicht Angst erzeugt und verfestigt? Auch ich erlebe, dass in bestimmten Medien häufig auch über kleinere Kriminalität, Unglücke, Unfälle und Katastrophen berichtet wird.

    Für ähnliche Überlegungen siehe auch:
    Michael Meyen: Wie die Nachrichtenwerttheorie Realitäten verschleiert. In: Michael Meyen (Hrsg.): Medienrealität 2018. https://medienblog.hypotheses.org/1460 (Datum des Zugriffs: 25.08.2020)
    Hinzu kommt:
    Besondere Ereignisse haben einen größeren Nachrichtenwert als alltägliche. Gleichzeitig hat mir auch ein Werbefachmann bestätigt, dass sich Dinge besser gemerkt werden, über die häufiger berichtet wird. Beides zusammen führt dazu, dass sich eher die Ausnahme als die Regel gemerkt wird, also Vorurteile verstärkt werden, statt Zusammenhänge und Hintergründe begriffen werden.

    „Recherchen, die z.B. Missstände aufdecken“
    Missstände oder logische Folgen unseres Wirtschafts- und damit verbundenen politischen Systems?

    „Ein jüngeres Beispiel für eine bedeutende Investigativ-Recherche sind die Enthüllungen Edward Snowdens“
    Warum spielten diese nur eine Zeitlang eine größere Rolle, während gegenwärtig eher von angeblicher russ(länd)ischer oder chinesischer Spionage die Rede ist? Stecken dahinter auch bestimmte Interessen?

    „Allein schon weil ihnen zeitnah keine Alternativen zugänglich sind, reproduzieren Redakteur*innen mit der Bildauswahl gängige Stereotype.“
    Das ist eine Möglichkeit. Aber sind nicht auch im Kopf der Redakteur*innen bestimmte Stereotype vorhanden, die sie reproduzieren? Und wenn sie ausdrücklich dagegen handeln, riskieren sie nicht breite Angriffe bis hin zu Diffamierungskampagnen? Fördert das nicht auch Stereotype?

    Warum wurden diese Fragen im Text nicht selbst gestellt? Könnte es sein, dass diese Vorgehensweise von vielen als selbstverständlich angesehen wird, dass gemeint wird, dass es gar nicht anders sein kann?
    Welche Interessen stehen dahinter, dass es genauso abläuft, welche Systeme und Strukturen?
    Ich will verstehen und erklären, es nicht einfach nur beschreiben und als gegeben hinnehmen.

    Uwe Schnabel, Dresden

    Und hier geht es weiter: https://medien-meinungen.de/2020/08/medienbeobachtungen-eines-kritischen-buergers

    IMV News
    Wir arbeiten in den letzten Wochen und Monaten viel an unserem Webauftritt – also eher im Stillen. Nicht, dass die aktuellen Ereignisse nicht unsere Aufmerksamkeit verdienten. Unsere Kommentare dazu finden Sie derzeit fast ausschließlich auf Twitter: @IMV_Berlin und @IMVErlangen – um die Kanäle anzusehen, braucht man sich nicht auf Twitter anzumelden.
    In diesem Sommer sind einige Publikationen vorbereitet worden, über deren Erscheinen wir Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden halten werden.

    Wer kann und möchte, wir freuen uns über jede Unterstützung. Danke!

    MV Termin  
    Dienstag, 15.09.2020, 19.30 Uhr Veranstaltungsort: URANIA Berlin An der Urania 17, 10787 Berlin Diskussionsabend: Trennung von Religion und Staat nur für Muslime?
    Referentin und Gesprächspartnerin: Prof. Dr. Sabine Schiffer Moderation: Dr. Andreas Goetze, Landeskirchlicher Pfarrer für den interreligiösen Dialog (EKBO)
    https://www.urania.de/kalender

    Sozial-ökologische Transformation und das Versagen der Medien – IMV Newsletter August 2020

    Sozial-ökologische Transformation und das Versagen der Medien – IMV Newsletter August 2020 ­
    ­ ­ ­ ­
    Liebe Interessierten,

    man muss schon mächtig suchen, wenn man nicht dem Framing aufsitzen will, dass es entweder die Überwindung der Corona-Wirtschafts-Krise oder die Bekämpfung der Klimakatastrophe geben wird. Dabei haben die politischen Entscheidungen der letzten Monate eines deutlich gezeigt: Die Politik kann, wenn sie will, den Einflüsterungen der Wirtschaftslobbyisten widerstehen. Letztere scheinen nun wieder Oberhand zu gewinnen und nicht wenige wünschen sich die alten Zustände zurück: also stinkende Innenstädte, Umweltverschmutzung, Raubbau, Armut und Hunger.

    Von Medien als Vierter Gewalt kann nur in Ausnahmefällen die Rede sein. Und darum stellen wir hier Material zur Verfügung, das zeigt, wie die notwendige sozial-ökologische Transformation gehen kann – um die wir nicht herumkommen, wenn es noch menschliches Leben auf diesem Planeten geben soll. #EnergiewendeJetzt #VerkehrswendeJetzt #sozialoekologischeTransformation – Die Erde braucht uns freilich nicht – insofern ist auch der Klimadiskurs irreführend, wenn die Erde gerettet werden soll…Stichwort: Klimaschutz; das macht sie schon, erprobt gegen den Störenfried.

    Hier ist über Reframing in der strategischen Kommunikation der Klimadebatte nachzudenken!

    Darüber sollte auch die gute Initiative der Klimareporter nachdenken, hier im Interview mit Claudia Kemfert: https://www.klimareporter.de/deutschland/es-fehlt-der-oekologische-wumms. Die Energieökonomin Kempfert räumt mit einigen Mythen zum Themenkomplex auf: https://www.claudiakemfert.de. Das Thema ist nicht neu und bedarf Ausdauer und eben Nachhaltigkeit: allen voran Attac https://theorieblog.attac.de/anforderungen-an-eine-wirtschaft-nach-corona oder https://www.biorama.eu/sozialoekologische-transformation oder der Umweltrat oder hier.

    Gute Vorschläge gibt es genug, hier beispielhaft aus Dresden: ein 117-Punkte Maßnahmenkatalog für die sofortige Umsetzung und hier die Scientists for Future dazu.

    Räumen wir direkt auf mit dem dümmsten Argument: die Kosten… Denn Geld ist im Übermaß vorhanden, essen können wir es nicht, ausgeben auch nicht; für die vorhandenen riesigen Geldmengen gibt es nämlich nicht genug Werte auf dieser Erde. Dies erläutert anschaulich Ekkehard Sieker, der Rechercheur der ZDF-Anstalt und Dengler-Krimis von Wolfgang Schorlau: https://www.youtube.com/watch?v=uhL38MJe1Wo #MustSee
    Ab Min 12 rechnet er das größte Missverständnis des Kapitalismus vor… auch wenn die absoluten Zahlen nach zwei Jahren seit seinem Vortrag auf der IALANA-Konferenz 2018 nicht mehr stimmen, so stimmen die Relationen – das Ganze ist übrigens auf Papier nachlesbar im Buch „Der große Plan“ von Wolfgang Schorlau. Fazit von Sieker: „Wir brauchen neun Planeten für das ganze Geld“… schon schuldenbereinigt gerechnet.

    Das bedeutet, dass es komplett andere Wirtschaftsmodelle geben muss – vor allem Systeme, die nicht die Erde dreimal täglich verbrauchen; denn damit ist absehbar bald Schluss (siehe Die Megamaschineoder hier: Henning Austmann) – und Geld im Überfluss für Sinnvolles und Leben da ist. Silke Helfrich hat Autor*innen versammelt, die sich Gedanken über ein neues Wirtschaften und einer neuen Politik machen: http://www.langelieder.de/lit-helfrich12.html

    Viel Wissen über Allmende scheint inzwischen verloren gegangen zu sein https://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/das-junge-politik-lexikon/171167/allmende, aber nicht überall: https://commons.blog. Solidarität können wir ja gerade in Pandemiezeiten üben. Das klappt nicht immer, aber scheint langfristig das tragbarere Konzept zu sein: https://www.deutschlandfunk.de/altruismus-der-mensch-in-zeiten-der-katastrophe.1184.de.html?dram:article_id=480449 – es entspricht einfach der Natur des Menschen. 

    Die viel beschworene Digitalisierung ist kein Allheilmittel, weil natürlich Hard- und Software Strom und Ressourcen verbrauchen, aber auch da gibt es Möglichkeiten der nachhaltigen Verbesserung – so der Chaos Computer Club; und mehr von Bits und Bäume https://www.nachhaltige-digitalisierung.de.

    Wir bitten um Ergänzung und freuen uns über weitere Informationen zum Thema!
     

    IMV News
    Wir machen Urlaub im August und melden uns demnach im September mit einem verspäteten Newsletter zurück… aber dann auch wieder mit einem Termin…
     
    IMV Termin
    Dienstag, 15.09.2020, 19.30 Uhr, Veranstaltungsort: URANIA Berlin, An der Urania 17, 10787 Berlin Diskussionsabend, Trennung von Religion und Staat nur für Muslime?
    Referentin und Gesprächspartnerin: Prof. Dr. Sabine Schiffer, Moderation: Dr. Andreas Goetze, Landeskirchlicher Pfarrer für den interreligiösen Dialog (EKBO)
    https://www.urania.de/kalender

    Tipps für Bildanalyse + Tag gegen antimuslimischen Rassismus

    Liebe Interessierten,

    zwar gab es Bildfälschungen lange vor der Erfindung ditigaler Technologien – Stichwort: Retusche – aber mit den neuen Medien sind die Möglichkeiten einfacher und vielfältiger geworden. In manchen Bereichen gehören sie gar zum Standard – etwa in der Werbung für Gesichtscremes oder Schlankmacher und in der Modebranche mitsamt dem Influencer Marketing.

    Politische Brisanz erhalten Bildmanipulationen, wenn…

    … sie Ereignisse verfälschen und gar zu Hass und Hetze aufstacheln oder gar Kriege legitimieren. Dazu bedarf es nicht immer digitaler Techniken, wie die angeblichen Massaker-Bilder aus Rugovo und Racak belegen, die angeblich getötete Zivilisten zeigten, dabei waren es zusammengetragene Milizenkämpfer. Diese Bilder mitsamt deren Instrumentalsierung von Scharpings Verteidigungsministerium führten uns in den 1990er Jahren in die erste deutsche Kriegsbeteiligung nach dem zweiten Weltkrieg und bescherten der NATO eine neue Doktrin, die bis heute federführend für weitere „Friedensmissionen“ geblieben ist: siehe WDR Story „Es begann mit einer Lüge“ https://www.youtube.com/watch?v=ZtkQYRlXMNU.

    … sie Personen in einen falschen Kontext stellen und so Politikern oder anderen Dinge unterstellen, woran sie nicht beteiligt waren. Und das geht inzwischen auch mobil – also sowohl mit leicht zu installierenden Apps auf dem Smartphone herzustellen, als auch die mobile Peron in ihrer Bewegung mit einer anderen zu verschränken. Mit etwas ausgefeilterer Technik lässt sich heute in Echtzeit sogar jedem Politiker oder Schauspieler eigene Aussagen und Mimik unterlegen: sog. Deep Fakes, wie dieses hier: https://www.youtube.com/watch?v=cQ54GDm1eL0

    … Situationen durch gefälschte Farben manipuliert werden, indem beispielsweise aus einem Wasserrinnsal optisch eine Blutlache wird, um Terror zu inszenieren oder wirklich schreckliche Ereignisse noch zu intensivieren. Dies geschah zum Beispiel beim Massaker von Luxor: https://www.nzz.ch/schweiz/das-massaker-von-luxor-schockiert-die-schweiz-ld.1327654.

    Bereits an diesen wenigen Beispielen wird deutlich, dass Bilder ihre Beweiskraft zu unrecht haben. Der Authentizitätsbonus ist inzwischen sowohl beim Stand- als auch beim Bewegtbild stets (selbst-)kritisch zu hinterfragen.

    Dass Bilder und auch Filmaufnahmen durch einen Kontextwechsel zudem ihre Bedeutung verändern, konnten wir 2014 in der Ukrainekrise erleben, als ein syrischer Hubschauber über der Ukraine abzustürzen schien – Youtube-Aufnahmen aus Syrien begleitet von „Allahu akbar-„Rufen, die auch die Tagesschau tonlos und unkritisch übernahm: Siehe u.a. Gerster, Petra & Nürnberger, Christian: „Die Meinungsmaschnine – Wie Informationen gemacht werden…“.

    Aber eigentlich beginnt die Bildmanipulation schon früher, denn jedes Bild ist ein kleiner Realitätsausschnitt, eine Momentaufnahme, was sich aus dem Vergleich der berühmt gewordenen Aufnahme von Kim Phuc, die 1972 in Vietnam vor Napalmbomben floh und zur Bildikone der Antikriegsbewegung wurde, mit anderen Aufnahmen der gleichen Szenerie ergibt – die (potentielle) Wirkung ist eine andere, je nachdem welchen Bildausschnitt man wählt: https://www.welt.de/geschichte/gallery114225594/Phan-Thi-Kim-Phuc-Ikone-des-Vietnamkrieges.html.

    Wer Zweifel über die Echtheit und Herkunft von Bildern hat, kann mit der Rückwärtssuche der Google Bildersuche oder https://tineye.com zumindest feststellen, wann und wo diese im Internet schon einmal aufgetaucht sind. Oder man wendet sich an professionelle Bildforensiker, vor allem wenn es sich bei Bildfälschungen um justiziable Aktionen handelt – z.B.:
    https://www.medien-sachverstaendiger.de/digitale-bild-forensik oder https://www5.cs.fau.de/lectures/ss-16/original-oder-faelschung-seminar-bildforensik-semforensik

    Eine sehenswerte Wissensdoku zum Thema empfehlen wir hier: https://www.3sat.de/wissen/wissenschaftsdoku/das-manipulierte-bild-102.html

    Traue keinem Bild, auch keinem bewegten!

    IMV News
    Wir einnern an den Tod von Dr. Marwa El-Sherbiny am 1. Juli 2009, deren Mörder schnell abgeurteilt und Fahrlässigkeit von Behördenseite bis heute nicht untersucht wurde: https://www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2009/07/20110715_IMV-Schiffer_InMemoriam-MarwaElSherbiny.pdf Die deutsch-israelische Künstlerin Noa Gur hat in einer Installation vor dem Bundeskanzleramt am 1. Juli 2019 dem 10. Jahrestag des Mordes gedacht – mit unserer Institutsleitung als Rednerin: https://www.youtube.com/watch?v=QYBs-iHaAHM Wie es bei Ahnmahnung von Versäumnissen und Fehlern aufgrund möglicher rassistischer Reflexe zur Verfolgung der Überbringer der schlechten Botschaft kommt, dafür steht der Prozess gegen die Interviewäußerungen von Sabine Schiffer exemplarisch: https://imv.blog-upcycling.de/der-prozess. Das Thema Rassismus steht heute wieder auf der diskursiven Tagesordnung, weil es immer noch nicht ernsthaft angegangen wurde – und das hat Folgen: Hanau und der Lübcke-Mord mahnen. Rassismus tötet und Rassismusleugnung auch, wie viele andere Fälle bezeugen: https://imv.blog-upcycling.de/informationsportale/rassismus-toetet. Der 1. Juli ist seit nunmehr 10 Jahren der Tag gegen antismuslimischen Rassismus.

    Juni 2020 – Journalist‘s Journey: Medientransparenz + Intransparenz bei Kohl-Akten

    Journalist‘s Journey: Medientransparenz + Intransparenz bei Kohl-Akten

    Unsere Woche der Transparenz in der 20. KalenderWoche führte zu Rückfragen von journalistischer Seite und Interesse, das sich ungefähr so zusammenfassen lässt: Alle finden’s gut, keiner macht mit. Gerne wird auf Platz und Zeit verwiesen, obwohl die Intros zu den Stücken ja nur kurz sein sollten, um in knappen Worten das Making Of eines Beitrags zu schildern.
    Die Journalistin Kirstin Müller hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass es vielleicht doch ausführlicherer Schilderungen bedarf, um den journalistischen Arbeitsalltag für Laien verständlicher zu machen. Sie hat sich die Mühe gemacht, einmal detailliert gängige Abläufe bei der Produktion von Medieninhalten zu formulieren.
    Wir freuen uns über diesen Beitrag zur Woche der Transparenz und geben ihn gerne zur Diskussion in die Runde: Wie kann man journalistische Arbeit und redaktionelle Entscheidungen plastischer machen und Medien vom Ruch einer verschworenen Blackbox befreien!?! Er dient gleichzeitig als Beginn von Posts unter dem Hashtag #JournalistsJourney, der dem Thema „Journalistisches bzw. redaktionelles Arbeiten) gewidmet ist. (IMV)

    Die Journalist’s Journey – Von der Idee zum Text (von Kirstin Müller)

    Welche Themen ein journalistisches Medium in welcher Art und Weise abbildet hängt von einer Vielzahl komplexer Einflussfaktoren ab, die den journalistischen Arbeitsalltag prägen. Exemplarisch wird im Folgenden der Weg vom ersten (nachrichtlichen) Impuls bis zum fertigen Text am Beispiel einer tagesaktuellen, überregionalen Zeitung (Print und Online) nachempfunden.
    Der Tag beginnt mit der Redaktionskonferenz am Morgen, bzw. eigentlich schon früher, denn vor der Arbeit machen sich viele Redakteurinnen schon ein Bild von der Nachrichtenlage des Tages via Radio, Social Media und TV, bzw. Print- und Online-Nachrichten der Konkurrenz.) In der Konferenztreffen sich die Journalistinnen der einzelnen Fachressorts und die tagesverantwortlichen Chefredakteurinnen und planen die konkreten Artikel, die über den Tag, bzw. in der Ausgabe des nächsten Tages erscheinen sollen. Dabei geht es um die Auswahl der Themen, aber auch um ihre Gewichtung zueinander und die Diskussion des spezifischen Zugangs zu einem Thema.
    Diese Entscheidungen hängen von vielen Faktoren ab.
    Erstens: Welche Zielgruppe will das Medium ansprechen? Platt gesagt: Bei der taz würde der runde Todestag von Che Guevara sicher stärker das Kerninteresse der Leserinnen treffen, als bei der FAZ. Bei diesem Beispiel wäre es also denkbar, dass die taz zu diesem Anlass ein größeres Stück plant, während die FAZ das Thema eher als kurze, primär nachrichtliche Meldung platziert.
    Zweitens: Welche Ideen haben Redakteurinnen, welche fachlichen und persönlichen Interessen und Spezialgebiete bringen sie mit? Bleiben wir beim Todestag von Che Guevara. Auch eine FAZ-Redakteurin kann dieses Thema zielgruppengerecht aufbereiten. Es könnte z.B. zum Anlass genommen werden, den Imagewandel politischer Akteure hin zu Popfiguren neu zu beleuchten. Wenn jemand in der Redaktion Erfahrung mit popkulturellen Themen hat, böte sich so ein Zugang z.B. schon aus rein praktischen Gründen an. Als eher konservativ ausgerichtetes Medium könnte die FAZ auch eine kritische Außenperspektive einnehmen und das Verhältnis der politischen Linken zu ihren eigenen Ikonen aufarbeiten. Je nachdem, für wie gesellschaftlich relevant die Redaktion die Frage hält, die sie in ihrer Geschichte bearbeiten will, desto größer und prominenter wird der Platz ausfallen, den sie dieser Geschichte einräumt. Es gilt: Aus jedem Thema lässt sich potentiell etwas machen, was universelle Aussagekraft hat. Letztendlich kommt es auch darauf an, wer auf welchen Zugang kommt und wer sich mit seinem Thema durchsetzten kann.
    Drittens ist natürlich die Frage der nachrichtlichen Aktualität entscheidend. Ein Todestag fällt natürlich auf ein ganz bestimmtes Datum. An diesem Tag sollte ein Text dazu im Idealfall erscheinen. Kommt es aber an diesem Tag zu einem unvorhergesehenen Ereignis, dem die Redaktion z.B. internationale Bedeutung beimisst – wie eine Naturkatastrophe, eine weitreichende politische Wende oder ein terroristischer Akt – so wird diesem Ereignis nachrichtlich Vorrang gegeben. Dann muss eventuell schnell gekürzt bzw. umdisponiert werden. Geplante Geschichten, wie die in unserem Beispiel, würden entweder zeitnah an einem anderen Tag publiziert, oder kleiner abgebildet werden, um dem aktuellen Ereignis mehr Raum geben zu können. Denn die Seiten einer gedruckten Zeitung sind natürlich limitiert. Auch Online lässt sich die Anzahl an Geschichten aus technischer Sicht zwar über das festgelegte Layout der Startseite hinaus erweitern. Damit riskiert man aber, die Leser in ihren Nutzungsgewohnheiten zu verwirren und dadurch ihr Interesse zu verlieren. Ein Aufbrechen des Layouts zugunsten einer Nachrichtenlage ist daher keine alltägliche Maßnahme.
    Zuletzt müssen die Tagesverantwortlichen im Blick behalten, dass alle Ressorts „gerecht“ abgebildet werden. Bei Printprodukten ist das weniger strittig, da meist alle Seiten außer der Titelseite den Ressorts fest zugeteilt sind. Online dagegen werden die Aufmacherblöcke, d.h. die Geschichten, die ganz oben auf den Online-Plattformen erscheinen, ständig neu gemischt.
    In der Redaktionskonferenz werden also die Themen des Tages, die Gewichtung der Themen zueinander und die Perspektive, aus der sie behandelt werden sollen, festgelegt. Danach geht es für die einzelnen Redakteurinnen an die Umsetzung ihrer Texte. Wie Recherche und Schreibprozess genau ablaufen kann je nach Thema (und je nach persönlichem Stil des/der Redakteurin) sehr unterschiedlich sein. Für ein analytisches Langstück zu Che Guevara wird ggf. schon an den Tagen zuvor mit Expertinnen gesprochen. Die wichtigen Lebensdaten und Wendepunkte sind schon ausgewählt, und der Text muss in den kommenden Stunden nur noch abgerundet werden. Vielleicht muss eine Interviewpartnerin sein/ihr Zitat im Text noch absegnen. Für ein nachrichtliches Stück können Redakteurinnen sich dagegen auf Material aus den Nachrichtenagenturen beziehen, deren Dienste tagesaktuelle Medien abonniert haben. Für den runden Todestag einer wichtigen politischen Figur gibt es von den Agenturen für gewöhnlich Überblickstexte, die genau so übernommen werden können. In der Zeitung erscheinen solche Texte dann mit dem Kürzel der betreffenden Agentur (dpa, afp, etc.) statt unter einer Autorenzeile.
    Dass Zeitungen selbst die Primärquelle für ein nachrichtliches Ereignis sind, ist eher selten. Viele haben nicht einmal die Mittel Korrespondentenbüros zu unterhalten, und selbst wenn, dann kann man natürlich nicht überall gleichzeitig dort sein, wo „etwas passiert“. Erste Kenntnis von einem Ereignis bekommen die Redaktionen aus verschiedenen Quellen, zum Großteil aber über die Agenturen. Viele staatliche oder öffentliche Institutionen halten regelmäßig Pressekonferenzen ab oder machen Pressemitteilungen. Bei „größeren“ Verbrechen, Unfällen oder Katastrophen informieren Polizei und Bundesbehörden proaktiv, und über die sozialen Medien kann sich die Redaktion selbst aktiv informieren. Außerdem sind viele nachrichtliche Ereignisse wie Wahlen, Sportveranstaltung oder Jubiläen vorherseh-, und damit planbar. Grundsätzlich ist wichtig zu wissen, dass vorformulierte Information Zeit spart und dadurch für Journalistinnen so notwendig wie praktisch ist. Die Gefahr, mit dem entsprechenden Wording ungeprüft auch eine vorstrukturierte Ordnung der Wirklichkeit zu übernehmen, wird immer größer, je weniger Zeit zu einer kritischen Prüfung bleibt.
    Komplett originäre Inhalte produzieren tagesaktuelle Zeitungen aber auch. Recherchen, die z.B. Missstände aufdecken, entstehen oft in den Investigativ-Ressorts. Der/die Redakteurin folgt dabei z.B. einem anonymen Hinweis, oder bekommt selbst ganz direkt Kenntnis von einer Spur. Ein jüngeres Beispiel für eine bedeutende Investigativ-Recherche sind die Enthüllungen Edward Snowdens, der u.a. den Journalisten Glenn Greenwald vom britischen Guardian und die Dokumentarfilmregisseurin Laura Poitras kontaktiert hatte und sich dann heimlich mit ihm traf. Nach ihrer Veröffentlichung wurde die Geschichte dann selbst zur „Breaking News“ für andere Publikationen. Ist der Text an sich fertig gestellt, müssen noch einige Schritte durchlaufen werden, bevor er auf den Online-Kanälen bzw. auf der gedruckten Seite erscheinen kann. Die zwei wichtigsten Ausgestaltungen eines Textes sind seine Überschrift (und Unterzeilen) und seine Bebilderung. Sie sind quasi die Erstkontaktpunkte, sie sind die Verkaufsoberfläche. Die Leserinnen bekommen durch Zeile und Bild schnell einen ersten Eindruck davon, was sie von dem Text erwarten können und – das ist natürlich entscheidend – ob er ihre Interessen trifft und sich damit potentiell für sie lohnt.
    Eine Bebilderung kann entweder ein einfaches Foto sein oder eine eigens für diesen Text hergestellte illustrierende oder auch konterkarierende Grafik. Für das Aufmacherfoto könnte man in diesem Fall auf Bilddatenbanken zurückgreifen. Viele Medienhäuser haben eigene Archive und Abonnements bei externen Dienstleistern. Die naheliegende Lösung wäre in unserem Beispiel von Che Guevara, ein Bild von ihm selbst. Will der/die Redakteurin der Che-Guevara-Geschichte z.B. in den Fließtext eine illustrierte Timeline einbauen, muss diese im Vorhinein bei den betreffenden Grafikerinnen in Auftrag geben werden.
    Nicht immer ist die Bebilderung so harmlos, wie im historischen Beispiel. Denn unsere Vorstellung von der Welt ist stark davon geprägt, welche Bilder wir von ihr zu sehen bekommen. Besonders bei der Darstellung von Gruppen jenseits der gesellschaftlichen Mehrheiten ist das bekanntermaßen problematisch. Die Verschlagwortung der Bilddatenbanken und der Mangel an Auswahl bei manchen Suchbegriffen wirkt sehr einschränkend. Extrem gesprochen: Eine anonyme Menge betender Männer oder verschleierter Frauen stellt „Muslime“ dar, und „Homosexuelle“ sind bunt gekleidete Männer, die Regenbogenfahnen schwenken. Allein schon weil ihnen zeitnah keine Alternativen zugänglich sind, reproduzieren Redakteur*innen mit der Bildauswahl gängige Stereotype.
    Die Überschrift wiederum ist eine Kunst für sich. Sie darf nicht zu viel verraten, aber auch nicht zu wenig. Sie muss neugierig machen und darf nichts versprechen, was der Text nicht halten kann. In unserem Bespiel wäre „Heute 50. Todestag von Che Guevara“ zwar korrekt, aber blass und langweilig, „Viva Che – Die Ikone lebt weiter“ zu tendenziös und pathetisch. Eine gute Strategie wäre es z.B., eine Haupterkenntnis des Texts in der Überschrift anzudeuten, indem man ein zentrales Zitat heraushebt, oder eine These aus dem Text zugespritzt paraphrasiert.
    Ein letzter Faktor der Themensetzung ist die Erfahrung mit bisherigen Themen. Wird der Che-Guevara-Text z.B. auf den Onlineseiten der FAZ gut angenommen, d.h. häufig angeklickt, könnte das einen weiteren Text mit ähnlicher Schlagrichtung rechtfertigen.
    Viel wäre noch zu sagen zur Journalist’s Journey. Wir hoffen dieser Text kann als Einblick dazu dienen, dass der tagesaktuelle Journalismus nicht geradlinig, sondern als dynamischer Prozess funktioniert und auf viele Beteiligte angewiesen ist.

    ______________________________________________________________________________________________________________________
    Als Aufruf zu mehr Transparenz zur Deutlichmachung von Qualität in den Medien kann auch das neue Rezo-Video gewertet werden, das wieder mit gut recherchierten Fakten aufwartet und dabei hilft, die Spreu vom Weizen zu trennen (ohne die sonst üblich gewordenen Polarisierungen zu bedienen – erfrischend und lohnend: https://www.youtube.com/watch?v=hkncijUZGKA Empfehlung!

    Mai 2020 – Corona und Medientransparenz

    Liebe Interessierten,

    auch wir beginnen mit Corona. Wir haben lange gezögert und tun dies ohne zum Hobby-Virologen zu mutieren. Als Laien können wir die medizinische Sachlage nicht einschätzen. Und das ist auch nicht nötig, um zur Mediendebatte Stellung zu nehmen und Ihnen Kriterien an die Hand zu geben, um Medienprodukte einzuschätzen. Besonders am Herzen liegen uns Hinweise auf mögliche Gefahren durch die Aussetzung von Grundrechen und der Implementierung von Überwachungsmaßnahmen. Wir lehnen die Verknüpfung der Warnung vor Degeneration des Rechtsstaates mit einer Verharmlosung einer möglichen Gefahr für die Gesundheit ab.

    Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie etwa die Aussagen des Charité-Virologen Drosten in den einen Medien in die eine Richtung und in anderen in die andere Richtung zugespitzt werden (weil sie oft nicht auf seine Worte/Primärquelle, sondern auf die Berichterstattung anderer/Sekundärquellen reagieren), kann dies allein dadurch tun, das NDR-Update mit ihm in seiner ganzen Länge wirklich anzuhören: https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html. Ohne die Einschätzung der Influencerin Mai 100{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}ig zu teilen, möchten wir in Bezug auf die Kommunikatonsfähigkeit von Virulogen und die Medienleistungen in dem Zusammenhang gerne Ihr Videoformat empfehlen – auch, weil ihr Format MaiLab zeigt, dass im Netz eben nicht nur Beautyqueens und Verschwörungstheoretiker unterwegs sind: https://www.youtube.com/watch?v=u439pm8uYSk. Zum Abgleich ihrer persönlichen Einschätzung mit dem Auftreten des Virulogen Streeck hier der Vergleich zu einem Interview-Dialog mit Markus Lanz: https://www.youtube.com/watch?v=VP7La2bkOMo. Eine kritische und kontroverse Debatte über die Medienleistungen in dieser Zeit finden Sie auf dem Blog der kritischen Kommunikationswissenschaft an der LMU: https://medienblog.hypotheses.org.

    Als besonders lesens- und empfehlenswert möchten wir den Beitrag von Elisabeth Voß (in Der Rabe Ralf) herausstellen: https://www.grueneliga-berlin.de/publikationen/der-rabe-ralf/aktuelle-ausgabe/corona-aendert-alles. Sie geht auf wichtige HIntergründe ein, die in der medialen Öffentlichkeit weitestgehend unterbelichtet bleiben. Ihre Website scheint uns mit Blick auf das Thema Nachhaltigkeit darüber hinaus lohnenswert: http://www.elisabeth-voss.de. Sicherlich wird zu verfolgen sein, ob und was die Australische Forderung nach einer umfassenden Untersuchung zur Covid-Pandemie und dem Umgang damit zu Tage fördert: https://www.youtube.com/watch?v=8mbztKL15V8.

    Wir empfehlen die Überprüfung kursierender Zahlen – sowohl die Vermeldung absoluter Zahlen von Infektionen ohne Bezugsgrößen (die einmal die FAZ aufgelistet hatte https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/coronavirus-im-faktencheck-wie-toedlich-ist-der-neue-erreger-16618831.html), als auch die über jährlich auftretende Influenza-Infektionen, die Zahlen eines Ausnahmejahres als Durchschnittswert präsentieren. Oder auch der Vergleich zu Toten durch Keime in Krankenhäusern, was in der Tat ein unterschätztes und medial unterbelichtetes Thema in Deutschland ist, weil hier jährlich Tausende Menschen an in Krankenhäusern übertragenenen Keimen sterben – jedoch nicht so viele, wie eine europaweite Zahl angibt: https://www.tagesschau.de/inland/infektionen-101.html und https://www.jungewelt.de/artikel/376912.gesundheitswesen-in-der-brd-krank-durchs-krankenhaus.html. Die Zahlen sind übrigens vage, weil viele Betroffene nicht sofort versterben, sondern oft erst nach Jahren des Kampfes mit bzw. gegen Krankenhauskeime – deren Übertragung durch die ökonomische Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen auf Anraten von Bertelsmann, McKinsey und Leopoldina noch verstärkt wurde, weil zum Beispiel die Desinfektionszeit durch Personalknappheit nicht eingehalten werden kann. Das scheint uns ein Thema zu sein, das Medien als (idealtypische) Vierte Gewalt vermehrt aufgreifen sollten, denn hier stehen deutsche Krankenhäuser – etwa im Vergleich mit den Niederlanden – besonders schlecht da. Eine gute Stelle, um ein schon älteres und jetzt umso aktuelleres Filmprojekt zu empfehlen: http://der-marktgerechte-patient.org. Leider spielen unsere Medien nicht unbedingt eine konstruktive Rolle: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/christian-drosten-corona-krise-coronavirus-virologen-1.4887512.

    Natürlich kann auch eine reale Gefahr missbraucht werden. So geschehen beim Kampf gegen Kinderpornografie, der die Einführung weitreichender Zensurmaßnahmen im Internet ermöglicht hätte – was damals Ursula von der Leyen den zweifelhaften Ehrentitel #Zensursula einbrachte: https://netzpolitik.org/2009/die-dreizehn-luegen-der-zensursula. Auch die diskutierte Klarnamenpflicht oder Zugriff auf Internetprovider zur Bekämpfung von Hasserede liefern hierfür ein weiteres Beispiel. Hatespeech ist gefährlich und müsste juristisch effektiver bekämpft werden. Die vorgeschlagenen Eingriffe in die Internetkommunikation sind allerdings ein durchschaubares Manöver, die relevante #NoHateSpeech-Debatte für andere Zwecke auszunutzen: https://netzpolitik.org/2017/hate-speech-union-und-spd-wollen-klarnamen-internet-durch-die-hintertuere.

    Grunderechte: Den schwierig einzuschätzenden Fall der Anwältin Bahner aus Heidelberg hat das Portal T-Online am regelmäßigsten und sachlich verfolgt. Hier kann sich jede(r) selbst versuchen ein Bild zu machen: https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_87707686/corona-anwaeltin-juristin-beate-bahner-darf-psychiatrie-verlassen.html. T-Online fällt uns in letzter Zeit immer wieder als Portal mit eigenständiger Recherche bzw. unabhängiger Fragestellung auf: https://www.t-online.de/nachrichten/wissen/id_87744694/virologe-jonas-schmidt-chanasit-impfstoff-fruehestens-naechstes-jahr-.html. Diese Seite ergänzt sowohl das Podcastfieber in Sachen Corona, als auch das Aufzeigen von Vielstimmigkeit unter den Virologen – und zwar allein schon von denen, die von einer Gefährlichkeit des Virus ausgehen, aber die Folgen unterschiedlich einschätzen. Lesenswert der Kommentar von Thomas Fischer zur notwendigen Grunderechte-Debatte: https://www.heise.de/tp/features/Covid-19-Vom-Beginn-einer-Skepsis-4710285.html.

    Zur Information über die aktuell propagierten Überwachungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der Corona-Debatte empfehlen wir neben Netzpolitik.org (z.B. CCC https://netzpolitik.org/2020/ccc-warnt-bundesregierung-vor-zentralistischer-corona-app-covid19-contact-tracing-pepppt-dp3t) auch und besonders Heise.de – etwa ganz aktuell über die Implikationen, die Tracking Apps (jenseits von Freiwilligkeit) bedeuten würden: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Coronavirus-Kontaktverfolgung-wird-Teil-von-Android-und-iOS-4702166.html. Auf dem gleichen Portal ein kritisch-nachdenklicher Kommentar des ehemaligen Richters Peter Vonnahme: https://www.heise.de/tp/features/Corona-Rechtsstaat-auf-dem-Pruefstand-4706155.html?seite=all. Zum Themenkomplex (nachhaltige) Überwachung-(sImplementierung) werden die Augen besonders wachsam bleiben müssen – und teilweise wird es auch schon gemacht (s.o.) und z.B. hier https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-eingriff-in-die-grundrechte-wie-weit-geht-der-staat-100.html oder hier https://www.deutschlandfunk.de/tracking-technologien-was-wir-tun-reicht-weit-ueber-die.694.de.html?dram:article_id=474071 auch in den öffentlich-rechtlichen Medien ernst genommen. Die Süddeutsche Zeitung hat eigens eine Rubrik Überwachung eingerichtet und Beiträge dazu gebündelt: https://www.sueddeutsche.de/thema/{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}C3{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}9Cberwachung. Der Twitterer @tante verweist in einem Thread vom 24. April 2020 mit Link auf das Fraunhofer Institut https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2020/april/proximity-tracing-mit-der-app-gegen-sars-cov-2.html auf die Implikationen der geplanten Tracing App, die weit über eine Kontaktverfolgung hinausgeht und eher in Richtung eines digitalen Gesundheitspasses deuten könnte. Vor einer vergleichbaren Entwicklung warnt Norbert Häring auf seinem Blog und verweist auf das Szenario der Rockefeller Foundation: https://norberthaering.de/die-regenten-der-welt/id2020-ktdi-apple-google. Da könnte am Ende jenseits von Visavergaben und Passkontrollen eine digitale (Flug-)Reiseerlaubnis stehen – verknüpft mit Bonitäts- und Impfprüfung… etc. pp. (vgl. https://www.golem.de/news/gesundheitsaemter-landkreise-fordern-verpflichtende-corona-app-2004-148108.html).

    Auch die sozialen Aspekte dürfen nicht aus dem Fokus geraten: https://www1.wdr.de/daserste/monitor/videos/video-am-rand-der-gesellschaft-wie-die-corona-krise-armut-verschaerft–100.html. Von internationaler Verantwortung – jenseits vom Entsenden von Militärs – ganz zu schweigen: https://www.dw.com/de/fl{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}C3{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}BCchtlingskinder-aus-griechenland-landen-in-luxemburg/a-53135055. Mal sehen, ob die Fridays for Future die Möglichkeiten aufgreifen, die sich als realistisch in der Krise zeigen – plötzlich entscheidet Politik auch gegen Wirtschaftsinteressen und es darf die Frage gestellt werden: Was braucht der Mensch (eigentlich – und was nicht)? Auch ökologische Gedanken und Forderungen gehen langsam in die Mediendebatte ein, wie hier ansatzweise in der FAZ https://www.faz.net/aktuell/finanzen/massive-staatshilfen-fuer-air-france-klm-16741361.html. Aber die in die gleiche Richtung tednierenden Forderungen der FFF, nicht das alte und umweltschädliche Wirtschaften zu subventionieren, wird immer noch als Gegensatz zur Corona-Krise geframed: entweder Corona- oder Klima-Hilfe. Das ist ein künstlich formulierter und kein realer Widerspruch. Diesen Ansatz konnte man in der empfehlenswerten Titel-Thesen-Termperamente-Sendung vom 26. April 2020 finden: https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/ttt/index.html.

    Besonders muss hinterfragt werden, wie heterogen die Beratungsgremien für die Politik sind, ob sie überhaupt die Auswirkungen der Maßnahmen für die gesamte Gesellschaft einschätzen können: https://ze.tt/leopoldina-warum-expertinnenteams-zu-homogen-sind-corona-krise. Und natürlich muss immer hinterfragt werden, wie vehement Lobbygruppen im politischen Berlin agieren – wir dürfen davon ausgehen, dass die Pharmaindustrie dort gut vertreten ist. Dass man sich einen heilsbringenden Impfstoff wünscht, lässt sich natürlich auch ausnutzen. Wir verweisen in dem Zusammenhang auf Erfahrungen mit der Schweinegrippe, die damals von der Tagesschau kritisch kommentiert wurden: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/schweinegrippe450.html. Im Gegensatz dazu darf man sich fragen, welches Mandat und welche Qualitfikation eigentlich Bill Gates hat, dass er minutenlange Sendezeit zur Primetime in der Tagesschau als deutschlandweite TV-Hauptnachrichtensendung und auf deren Youtube-Kanal erhält: https://www.youtube.com/watch?v=083VjebhzgI.

    Wir haben hier auch auf Anfragen reagiert, die uns in letzter Zeit erreichten. Gerne geben wir wieder zusammenfassende und überprüfte Informationen heraus, wenn dies gewünscht wird! Auch hier äußern wir uns regelmäßig: www.medien-meinungen.de – @IMV_Berlin und @IMVErlangen auf Twitter – auf Facebook findet Ihr uns unter dem Institutsnamen. Und nein, wir werden im Moment keinen Podcast und kein neues Video-Format auflegen. Um das in angemessener Qualität tun zu können, dafür fehlen uns schlicht die Ressourcen.

    IMV News

    In der aktuellen Krise zeigt sich, wie wichtig es ist, dass Medien ihre Arbeit transparent machen und sagen, wie sie arbeiten und weshalb sie was für relevant einschätzen und anderes nicht – ob und wie sie Gegenthesen überprüft haben und überhaupt, wie denn Qualität in Qualitätsmedien entstehen soll bzw. beurteilt werden kann.

    Dazu laden wir auch in diesem Jahr wieder zu unserer Woche der Transparenz ein, wo Medien aufgefordert sind, ihren Beiträgen den Entstehungskontext vorzuschalten und damit für das Publikum die Arbeitsweise transparent zu machen. Dies ist ein aktiver Beitrag zur Medienbildung und schafft Vertrauen – jenseits irrationaler Glaubensbekenntnisse.

    Unsere Pressemitteilung zur Transparenz-Woche finden Sie hier:

    Unsere neue Website ist – mit noch einigen Macken – nun online. Wenn Euch etwas auffällt, meldet uns das bitte gerne!

    Und wer uns bei der Finanzierung unterstützen oder andere darauf aufmerksamk machen möcht, kann dazu auch diesen Link verwenden: https://www.gofundme.com/f/medienverantwortung-fordern. Mit herzlichem Dank!

    März/April 2020 – Eingabe beim Presserat, Verlegung Jubiläumsfeier KurzKonferenz

    Liebe Interessierten,

    auch wir sehen uns gezwungen, die für den 3. April 2020 geplante Jubiläumskonferenz „Neue Medien – alte Bildung, Jung&Alt zusammenbringen“ im Haus der Demokratie und Menschenreche abzusagen. Wir planen die Veranstaltung im Januar 2021 nachzuholen.

    Um konstruktiv zu bleiben verweisen wir auf den Relaunch unserer Website und bitten um Spenden, um diese noch bedienungsfreundlicher zu gestalten. Für bereits eingegangene Unterstützungsgelder bedanken wir uns recht herzlich und übersenden – wie immer – gerne eine Spendenbescheinigung.

    Eingabe beim Presserat

    Das IMV setzt sich schon lange für den Erhalt und Ausbau des Pressekodex ein, der ja weit über die Druckmedien hinaus eine wichtige Richtschnur für medienethische Fragen darstellt.

    Dazu gibt es seit 2003 immer wieder Stellungnahmen, die unter https://imv.blog-upcycling.de/projektbeispiele/ s.v. „Ergänzung der Presseratsrichtlinie“ einzusehen sind. Leider ist es uns nicht gelungen, die Aushölung der Richtlinienergänzung 12.1 zu verhindern.

    Nicht erst seit den Anschlägen in Hanau, wo die Frage nach der Bildverwendung von Shishabars in welchen Kontexten aufkam, sollte sich der Presserat Gedanken um eine Richtlinienergänzung 12.2 machen, die die Verwendung von Symbolbildern kritisch reflektiert – wie von uns 2005 erstmalig vorgeschlagen. Zum aktuellen Vorschlag „Zum medialen Umgang mit Symbolbildern“ siehe unsere Pressemitteilung vom 21. Feburar 2020: https://medien-meinungen.de/2020/02/hanau-mahnt-zum-medialen-umgang-mit-symbolbildern.

    Aufgrund der besonderen Umstände entfällt der April-Newsletter.

    März 2020- Hanau mahnt

    Liebe Interessierten,

    dass aus Worten Taten werden, davor warnen wir seit unserer Gründung vor 15 Jahren!
    Wir plädieren dafür, Sprache in ihrer Handlungs- und vor allem Zeigefunktion ernster zu nehmen und deren Gebrauch zur Zuweisung (problematischer) Eigenschaften auf ganze Gruppen kritisch zu überdenken – dies ganz besonders in den Medien als wichtige Schaltstelle für die Verbreitung von Aufklärung, aber auch von Ressentiments.
    Die Anschläge von Halle, Hanau und bereits die Morde des sogenannten NSU und inzwischen unzählige Übergriffe im Alltag machen deutlich und mahnen, dass wir ein gesellschaftliches Problem mit Rassismus haben. Die Vorortung dieses Problems bei rechtsextremen Rassisten wie pi-news im Netz, Pegida & Co. auf den Straßen oder der AfD in den Parlamenten mag ein verführerischer Reflex sein, sich eine rassismusfreie, aufgeklärte Mitte vorzustellen und die Kehrseite der Moderne neoliberaler Verwertungsgesellschaften zu verleugnen, die auf Konkurrenz und Ausgrenzung setzt.
    Nicht zuletzt die Toten von Hanau mahnen, dass mit dieser Selbstidealisierung Schluss sein muss. Spüren wir den Rassismus auf, entlarven ihn und laden zur Selbstreflexion ein – denn niemand ist gefeit davor, mit seinen Schubladen im Kopf konfrontiert zu werden! Aufklärung bedeutet, sich das dann eben anzusehen, ggf. anzunehmen und bestmöglich zu korrigieren.
    Ein paar Beispiele für Diskussionswürdiges:
    Kurz nach dem Anschlag in Hanau fragt man in den Heute-Nachrichten „Ist Multi-Kulti gescheitert?“ und bedient damit sowohl rechte Frames, als auch die Aussage von Angela Merkel von vor ca. 10 Jahren. Da nützt auch kein Integrationsgipfel nichts, wenn man vonseiten der Bundesbehörden die Mär von der „Migration als Mutter aller Probleme“ bedient. Medien hätten hier die Rolle des kritischen Aufklärers, der Vierten Gewalt, statt die des Kolporteurs.
    Immer wieder ist in Medien jedoch das Narrativ von „Fremdenfeindlichkeit“ bei der Berichterstattung über den Anschlag in Hanau zu vernehmen. Damit werden die Opfer rassistischer Gewalt posthum zu Fremden erklärt. Ja, es ist so subtil und geht weit über die verbreitete Diskussion um politisch korrekte Begrifflichkeiten hinaus.
    Im „heute Journal“ des ZDF vom 28.02.2020 ca. ab Minute 15.30 Uhr:
    Es geht um die AfD und deren Diskussion um Rassismus in den eigenen Reihen nach dem Terroranschlag in Hanau. Claus Kleber fragt einleitend zum dann eingespielten Beitrag „Geht’s da nur um rassistische Sprache und Parolen oder geht es um tatsächlich tiefere Einsichten?“ https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/heute-journal-vom-28-februar-2020-100.html


    Das ODER stellt die rassistische Sprache den tieferen Einsichten gegenüber und ordnet erstere unter, sprich: rassistische Sprache und Hatespeech, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen können, wird in den Hauptnachrichten unterschätzt.
    Es gab und gibt freilich schlimmere Beispiele als die des ZDF, aber auf das BILD-Niveau des Springer-Verlags wollen wir uns garnicht begeben – aber aufzeigen, dass Rassismus in der Mitte gepflegt wird: Etwa der Cicero scheint derzeit zu einem dehumanisierenden Blatt in Zeiten von Fluchtdebatten zu werden … Für die Entscheidung zu diesem Gastbeitrag beispielsweise werden folgende Frames aktiviert: https://www.cicero.de/aussenpolitik/fluechtlingskrise-eu-erdogan-tuerkei-syrien-russland-diplomatie: Eine humanitäre Krise gäbe es erst seit der Grenzöffnung durch die Türkei, Europa müsse (die Menschlichkeit) von 2015 verhindern …
    und dies prominent platziert in einem Medium der Mitte.
    Wir müssen uns mehr mit den subtilen Formen von Hassrede befassen, die weit über die Entscheidung für oder gegen einen Begriff gehen. Es geht um die Schärfung des Blicks für die Subtilitäten, die so manchem garnicht auffallen mögen, weshalb sie Schilderungen wie die von Alice Hasters nicht verstehen wollen: https://www.hanser-literaturverlage.de/autor/alice-hasters/
    Rassistische Einteilungen werden jedoch auch von den markierten Gruppen übernommen und perpetuiert, wie Sabine Schiffer hier beschreibt: https://www.migazin.de/2020/03/02/wenn-die-rassistische-saat-aufgeht.

    IMV News
    Unser Konferenzprogramm für den 3. April 2020 ist fertig und kann demnächst auf der neuen Website eingesehen werden.
    Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Wer nur spenden möchte, kann dies gerne hier tun: https://www.medienverantwortung.de/impressum. Wir bedanken uns im Voraus!