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    Woche der Medien- und Meinungsfreiheit / Medien-Transparanz, IMV Newsletter Mai 2021

    Liebe Interessierte,  

    fyi zur Charta der Meinungsfreiheit: https://www.woche-der-meinungsfreiheit.de, die zur Woche der Meinungsfreiheit vom 3. bis 10. Mai unterzeichnet werden kann. Das grundgesetztlich verbriefte Grundrecht scheint jedoch garnicht so klar definiert, wie manche meinen könnten – denn es hat natürlich Grenzen da, wo andere Grundrechte verletzt werden. Und es hat eine Richtung… und zwar aufsteigend (s.u.).  

    Nicht zuletzt der Fall Assange ist ein Prüfstein für die Meinungsfreiheit, wie im Buch des UN-Sonderberichterstatters Nils Melzer – worüber hier gesprochen wird  – zu lesen ist. Aber Assange wird in der Woche der Meinungsfreiheit 2021 vermutlich kaum eine Rolle spielen im deutschen Diskurs. Außer von Reporter ohne Grenzen (ROG), herrscht vor allem Schweigen im Medienwalde.  

    Rechtzeitig vor der Woche der Medien- und Meinungsfreiheit, wie wir sie nennen wollen, hat ROG den jährlichen Bericht über den Zustand der Pressefreiheit veröffentlicht – und Deutschland ist nicht nur mit Blick auf Angriffe aus der Protestszene darin abgerutscht, sondern auch und gerade, weil die Pressefreiheit staatlich nicht immer verteidigt wird; etwa wenn Polizisten diese gegen Angriffe von Demonstrantenseite nicht schützen. Meinungsfreiheit ist oft dann im Gespräch, wenn es um die Verteidigung von Diskursen von Oben nach Unten geht. Von Sarrazin bis Cancel Culture über Nuhr und bis Eckhart geht es nicht um kritische Äußerungen gegen das „Establishment“, sondern um die Verbreitung von Ressentiments, Lacher und Witze auf Kosten von Minderheiten. Das entspricht nicht der Idee Kurt Tucholskys, wenn er sagt „Satire darf alles!“ Tucholsky meinte die aufklärerische Satire, die von Unten nach Oben, wie es Max Uthoff im Interview mit der Jungen Welt anklingen lässt. Also eigentlich im Sinne von Whistleblowern wie Assange, Snowden & Co., die Verbrechen aufdeckten und dafür verfolgt werden, während die Verbrecher unbehelligt bleiben. Die Leitfrage der Meinungsfreiheit müsste also sein: Wo tut sie – in Form von Satire, Berichterstattung oder Protestbriefen – den „Oberen“ weh? Den Entscheidern in Wirtschaft und Politik, die unsere globalisierte Welt gestalten, und die nachweislich weniger die Lebensgrundlagen und das Gemeinwohl im Blick haben, als vielmehr kurzfristige Gewinne.  

    Dementsprechend wäre die Künstler-Aktion #allesdichtmachen eine Kritik im Sinne Tucholskys, denn tatsächlich scheint sie die Ein-Themen-Dominanz von Politik und Medien aufs Korn zu nehmen, wobei die teils sarkastischen Beiträge nicht jeden nachdenklich, sondern nicht wenige wütend machen – die Kritik daran fällt ebenso unter die Meinungsfreiheit. Allenfalls die Schnelligkeit in der Debatte mag zu denken geben, wovor Sabine Schiffer hier warnt, denn erst so langsam werden die Hintergründe und Motivationen klar und Fehler eingeräumt. Auch der Applaus von der falschen Seite fällt unter die Meinungsfreiheit, obwohl sich allein drei Video-Clips genau damit kritisch auseinandersetzen. Aber tatsächlich scheinen manche Teilnehmende Schauspieler nicht mitbekommen zu haben, dass auch ohne Leugnung einer pandemischen Gefahr über die Sinnhaftigkeit so mancher Maßnahme kritisch diskutiert wird – auch unter der Gefahr, dann sofort als rechts verdächtigt zu werden; während andere Journalist-Aktivisten tatsächlich jeden kritischen Mucks als Verrat an der Aussicht auf Gesundheit ausmachen – die Diskrusraumverengung ist real und selbstgemacht; und hier verwundert die diffamierende Abwehr des ZDF-Comedian Jan Böhmermann, der ja mit seinem geschmacklosen Angriff auf Erdogan genau diese Art von Verunglimpfung für sich reklamierte, egal was Betriffene meinen.  

    Zum Bilden einer eigenen Meinung, ein paar Hinweise hier:
    https://allesdichtmachen.de
    https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_89901734/-allesdichtmachen-wer-steckt-hinter-der-umstrittenen-corona-aktion-.html
    https://www.n-tv.de/leute/Ich-war-blauaeugig-article22511095.html
    https://www.hessenschau.de/kultur/schauspieler-christian-ehrich-ueber-allesdichtmachen-ist-kritik-unberechtigt-wenn-sie-von-rechts-beklatscht-wird-,allesdichtmachen-christian-ehrich-100.html
    https://www.youtube.com/watch?v=GYVY_C1jMP8
    https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/medien-jan-josef-liefers-bei-allemalneschichtmachen-dabei-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210428-99-386899
    https://www.tagesspiegel.de/kultur/wer-steckt-hinter-allesdichtmachen-eine-spur-fuehrt-ins-querdenker-milieu/27140704.html
    https://www.jungewelt.de/artikel/401726.intellektuelle-f{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}C3{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}BCr-umverteilung-einige-schreien-grunds{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}C3{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}A4tzlich-m{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}C3{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc}B6rder.html  

    Dass Medien gar kein so einhelliges Bild von der Corona-Berichterstattung liefern, hat eine Studie der Kommunikationswissenschaft Köln untersucht. Dass teilweise Journalisten in die Rolle von Aktivisten rutschen, scheint jedoch auch nicht von der Hand zu weisen – und es gibt auf EU-Ebene Briefings dazu: https://eeas.europa.eu/headquarters/headquarters-homepage/97292/media-advisory-record-briefing-disinformation-during-covid-19_en. Leider können wir zum Inhalt des Hintergrundgesprächs nichts sagen, fordern aber gerne Journalisten mit EU-Akkreditierung zu Recherchen auf. Zumal ja mit dem Abschalten unliebsamer Blogs begonnen wurde… was immer als ein erster Schritt in Richtung Zensur zu werten ist. Es ist richtig, dass die Meinungsfreiheit bei der Verletzung der Menschenwürde anderer endet – Rassismus, Antisemitismus und Sexismus fallen also nicht darunter. Der neue Definitionsversuch von Antisemitismus – die sogenannte Jerusalem Erklärung, die sich explizit von der IHRA-Arbeitsdefinition distanziert – zeugt von genau dieser Grenzsuche. Denn gerade beim Nahostkonflikt als völkerrechtlicher Streitpunkt zeichnet sich die Problematik zwischen Antisemitismus-Vermeidung auf der einen und Meinungsfreiheit auf der andere Seite besonders ab. Das Dilemma in all sinen Facetten bringt der sehr lesenswerte Beitrag von Fabian Wolff in all seinen Facetten zum Ausdruck, weshalb die Lektüre in seiner ganzen Länge empfohlen wird: https://www.zeit.de/kultur/2021-04/judentum-antisemitismus-deutschland-israel-bds-fabian-wolff-essay.
    Dazu einige weitere Beiträge, die kürzlich erschienen sind – auch dies nur eine Auswahl zur eigenen Meinungsbildung und Einladung zu weiterer Recherche:
    https://jerusalemdeclaration.org
    https://www.ndr.de/kultur/Neue-Definition-des-Antisemitismus-Begriffs-vorgelegt,antisemitismus256.html
    https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2019/kw20-de-bds-642892
    https://www.sueddeutsche.de/kultur/politische-geschichte-was-ist-antisemitismus-1.4972967

    Die Debatte geht weiter. Der Friedensprozess stockt.   Das Thema „Meinungsfreiheit“ wird uns, wie bereits im letzten Newsletter, noch weiter beschäftigen, gerade wenn es gegen unliebsame Meinungen geht. Von A wie Assange bis W wie Wirecard, wo Falschmeldungen ja lange nicht kriminalisiert wurden.  

    IMV News  
    Wir laden ein zum Mittmachen:
    Woche der Transparenz 2021 früher und länger als sonst… Anlässich der Woche der Meinungsfreiheit, die mit dem Tag der Pressefreiheit am 3. Mai beginnt, legen wir unseren jährlichen Aufruf zu mehr Transparenz in der Berichterstattung ab diesem Jahr in dieselbe Zeitspanne. Das ermöglicht es Medien, sieben Tage lang – und nicht nur fünf – unserer Transparenzforderung nachzukommen: ihren (Online-)Berichten eine kurze Entstehungsgeschichte vorzuschalten… „Warum das Thema? Wie recherchiert? Welche Aspekte für mehr oder weniger relavant erachtet?“ Wir werden in dieser Zeit Transparenz-Beispiele sammeln, auch jenseits dieser Kampagne, um positive How To-s vorzustellen. Follow us auf unserem Blog: medien-meinungen.de. Bitte sendet uns gerne, was Euch zum Thema auffällt. Danke! Und hier geht es zur Projektbeschreibung der Woche der Tansparenz https://imv.blog-upcycling.de/projektbeispiele.  

    Sabine Schiffer war als Sachverständige in den Bundestagsausschuss für Menschenrechte geladen, der am 14. April größtenteils digital tagte: https://www.bundestag.de/ausschuesse/a17_menschenrechte/anhoerungen/828216-828216 – dort können auch die Stellungnahmen der einzelnen Sachverständigen heruntergeladen werden.

    Corona und kein Ende + IMV News zur Medienanalyse, IMV Newsletter Februar 2021

    Liebe Interessierte,

    wir knüpfen noch einmal an unseren Mai-2020-Newsletter an, in dem wir auf die Problematik hinwiesen, dass die Berichterstattung in der Coronakrise wenig im Sinne einer Vierten Gewalt agiert. Gerade das Verlautbaren absoluter Zahlen ohne Bezugsgrößen ist und bleibt ein Problem. Darum empfehlen wir auch die Lektüre dieses möglichen Whistleblower-Textes. Wir können nicht überprüfen, ob er wirklich von einem Tagesschau-Redakteur ist (aber eine Redaktionserfahrung ist es sicher), denn dieser wäre dann für seine Redaktion sicher erkennbar – aber die Abläufe halten wir für möglich, weil wir sie aus anderen Kontexten genauso auch kennen: https://multipolar-magazin.de/artikel/die-mainstream-blase.

    Tatsächlich bleibt auch die Problematik relevant, dass das Robert Koch Institut die Zahlen aus nicht standardisierten PCR-Tests einfach aufaddiert und nicht trianguliert, also zur jeweiligen Aussagekraft in Beziehung setzt. Viel differenzierter kommt da der immer komplexer werdende, aber lohnende NDR-Info Podcast „Das Corona-Virus-Update“ mit Christian Drosten oder Sandra Ciesek daher, die eben jede Studie und die vorliegenden Daten auf ihre Aussagekraft hin abklopfen: www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html. Hier erfährt man auch, wie sich die medial oft als Gegensatz inszenierten Wissenschaftlermeinungen ergänzen. Medienanalytisch ist der Podcast ebenfalls interessant, weil die zuspitzende Berichterstattung darüber bereits aufzeigt, wie wenig man den Inhalt in seiner ganzen Differenziertheit widergeben kann oder will – jedenfalls drängt sich der Verdacht auf, dass der besondere Hass auf den Virologen Drosten nicht unbedingt auf seine tatsächlichen Aussagen zurück geht, sondern auf die medialen Konstruktionen aus den eigentlichen Aussagen.

    Zur mangelnden Standardisierung der PCR und damit fehlenden Basis von Zahlenvergleichen nimmt auch die Stellungnahme von Prof. Dr. Bergholtz in der Ausschussdrucksache 19(14)233(4) des Bundestages vom 30.10.2020 Stellung und fordert genau diese Standardisierung: www.bundestag.de/resource/blob/802668/28dabb19265f7b240fe2bbea253c12ba/19_14_0233-4-_ESV-Werner-Bergholz_Cov19-Teststrategie-1–data.pdf. Zum Umgehen der Systemfrage staatlicher Förderung für private Pharmaunternehmen stellt unter anderem medico international und setzt auf die Aufhebung des Patentschutzes für lebenswichtige Medizin – aber nicht nur: www.labournet.de/politik/wipo/gesundheitspolitik/oekonomie/petition-von-medico-fuer-die-aufhebung-des-patentschutzes-auf-alle-unentbehrlichen-medikamente-patente-garantieren-gewinne-und-toeten-menschen.

    Zur weiteren Systemfrage, also dem derzeit unhinterfragten Systemischen in der Krise – jenseits von Bill-Gates-Verschwörungen -, findet sich einiges auf dem Blog von Wolf Wetzel, u.a. dieses Thesenpapier: https://wolfwetzel.de/index.php/2021/01/22/corona-die-krise-die-linke-ein-thesenpapier. Zum journalistischen Versagen findet sich einiges auf den NachDenkSeiten, u.a. hier einige Fragen, denen es sich journalistisch nachzugehen lohnt: www.nachdenkseiten.de/?p=69435.
    Mehr Diskussion zum Thema findet sich hier: www.akweb.de.

    Vielleicht fällt die journalistische Zahmheit in Deutschland eher im internationalen Vergleich auf – etwa, wie in England die Regierung kritisiert wird: www.bbc.com/news/uk-55820178. Hier auch mit einer Kritik am sogenannten „freien Markt“… www.theguardian.com/commentisfree/2021/feb/01/the-guardian-view-on-the-vaccine-rollout-the-state-were-in. Zur Mediensituation in England werden wir eventuell einen eigenen Newsletter machen, hier nur noch ein paar Eindrücke zum Grillen von Verantwortlichen: www.standard.co.uk/news/uk/piers-morgan-gavin-williamson-gmb-resign-b900576.html, www.youtube.com/watch?v=rqQEWlZWhP0&list=WL&index=23 gerne zur Diskussion!

    Uns scheint der Journalismus in der Pandemie komplett zu versagen und die Einzelfragen, an deren Recherche wir im Wust ebenfalls feststecken, fanden wir in der Anstalt vom 2. Februar fast sämtlich beantwortet: www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-2-februar-2021-100.html. Absolutes #MustSee! Nein, man muss Covid19 nicht leugnen, um das Politikversagen zu kritisieren. Das wäre die Aufgabe des Journalismus. Wo er versagt, kompensiert heutzutage die Politsatire.

    Wer Gegenbeweise hat, also kritischen und sachlich hinterfragenden Journalismus, der als Vierte Gewalt den Entscheidern die Hölle heiß macht, bitte her damit – veröffentlichen wir gerne in einem der nächsten Newsletter!

    IMV News

    Ab sofort erhältlich: Medienanalyse – ein kritisches Lehrbuch www.westendverlag.de/buch/medienanalyse von Sabine Schiffer, ein Kondensat aus fast 30-jähriger Forschungs- und Vortragstätigkeit.

    Erste Eindrücke gibt es auch schon – etwa hier von Claus Dieter Stille: www.freitag.de/autoren/asansoerpress35/medienanlyse-ein-kritisches-lehrbuch. Und ein Webvideo des Westend-Verlags mit der Autorin: www.youtube.com/watch?v=Ug75-d0OUCk.
    Weitere Rezensionen und auch Anregungen nehmen wir gerne entgegen!