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    Desinformation in Europa + IMV Empfehlungen + IMV Termine, Newsletter Oktober 2021

    Liebe Interessierte,

    der Kampf gegen Desinformation – also Falschinformationen –  ist wichtig, wie aus den Debatten um Hatespeech und Rassismus bekannt, ebenso wie aus dem Kampf gegen den immer wieder aufblühenden Antisemitismus, aber auch der immer wiederkehrenden Kriegspropaganda. Denn aus Worten werden Taten, ja bereits Worte sind Taten, wenn sie andere Menschen verletzen und herabsetzen, sie eventuell gar als Angriffsfläche anbieten, zu Hass und Hetze oder Mord aufstacheln. Wie am antisemitischen Diskurs und den jüngsten Kriegen ersichtlich, bedarf es zur Verbreitung von Halbwahrheiten, Falschbehauptungen und Verschwörungsmythen keines Internets – dafür stehen auch die gefälschten Hitlertagebücher des Stern oder die Medienkampagne gegen Präsident Wulff, angeführt von der Bildzeitung, exemplarisch. 

    Aber dennoch scheint man sich heute vor allem vor Fake-News aus dem Netz zu fürchten, zumindest möchten einem das die besagten Medien und auch andere Akteure Glauben machen. Während nun die einen Verbreiter von Manipulationen im schlimmsten Fall eine Rüge vom Presserat erhalten, ermöglicht die Angst vor Manipulationen aus dem Netz ein viel drastischeres Vorgehen – bis hin zu Zwangsgeld und Löschungen.

    Zuletzt traf es RT  und die meisten Medien ergingen sich im Doppelmaß.   

    Klassischerweise war der Kampf gegen Fake-News und Desinformationskampagnen die Aufgabe des Journalismus als Vierte Gewalt, eventuell in Kooperation mit Whistleblowern – hierzu ein Beispiel aus dem schweizer Tagesanzeiger zu den aufgeflogenen Aktivitäten des Pentagon in Sachen „Medienarbeit“.

    Inzwischen drängen politische Akteure in diese Sphäre, so eine Stelle der EU-Kommission, der Europäische Auswärtige Dienst EAD, in Kooperation mit der Nato (sic!). Deren Warnungen vor Einflussnahme aus Russland auf die Wahlen in Deutschland und Europa haben sich jedoch als ein nicht belegtes Narrativ entpuppt, wie der Faktencheck des Journalisten Eric Bonse entlarvt. Die brisantesten Fakten zur Initiative East StratCom von ihrer Gründung bis heute analysiert er in Brüssel für das IMV: Wie EU und Nato gegen Desinformation vorgehen.  Der Link zum pdf mit den genauen Quellenangaben finden Sie hier. Mit besonderer Leseempfehlung! 

    Auch die Analyse zweier Forschender der Universität Manchester kommt zu vergleichbar alarmierenden Ergebnissen in Bezug auf die Entwicklung, die sich in Brüssel und damit ganz Europa abzeichnet. Unter dem Titel Reframing Russia wird auf die Problematik der Operation hingewiesen. 

    Der Verdacht liegt nahe, dass hier nicht nur ein Feindbild bedient wird, sondern vielleicht sogar weitergehende und nachhaltige Strukturen von Informationskontrolle implementiert werden könnten. Statt hierauf den Blick des kritischen Journalismus zu richten, wie dies Karin Leukefeld auf den Nachdenkseiten  vorführt, scheint sich die Faktencheck-Community zum großen Teil an diesen Outlets zu orientieren – wobei man trotz der Einräumung von EU-Zuwendungen die eigene Unabhängigkeit beteuert; wie hier auf der Website der European Digital Media Observatory  zu lesen ist, auf der die Logos von AFP, dpa, Correcitv & Co versammelt sind.  Wie man mit dem Code of Practice on Disinformation  geschult wird, ist auf der EDMO-Site ebenfalls dokumentiert.

    An dieser Stelle sei an eine erhellende Diskussionsrunde unter Journalisten  erinnert, die anlässlich des Scoops der „Panama Papers“ 2016 stattfand und in der nur Harald Schumann vom Berliner Tagesspiegel die bewährte Frage journalistischen Arbeitens stellte – sinngemäß: „Habt ihr Euch nie die Frage gestellt, wer in welchem Interesse Euch die Informationen zugespielt hat?“ Die damals neu gegründeten Faktenchecker haben sich die Frage nicht gestellt – und, wie es scheint, hat man dies bis heute versäumt nachzuholen; also im besten Falle, wenn man es nicht besser weiß… 

    IMV-News und Empfehlungen

    „Antisemitismus und Islamophobie“ ist im Druck und erscheint – neu – am 1. November  2021!

    Die Tagung der Kritischen Kommunikationswissenschaft erwartet ihre Gäste: Tagungsprogramm.

    David Goeßmann analysiert das Protest-Potential nach der Wahl.   

    Die Vereinigung der Medienombudsleute lädt ein zum Vortrag über Mainstream in Krisenzeiten.

    Die Ausstellung Brexit-Diary ist eröffnet,Tagungsinfo und Call des Netzwerks Kritische Kommunikationswissenschaft, IMV Newsletter Juli 2021

    Liebe Interessierte, 

    gerne machen wir auf folgende Tagung aufmerksam, an der man sich noch mit Beiträgen beteiligen kann: https://krikowi.net/wien.      
    Die 4. KriKoWi-Tagung „Eigentum, Medien, Öffentlichkeit“ soll analog, live und in Farbe vom 18. bis 20 November 2021 an der WU Wien stattfinden. Das vorläufige Rahmenprogramm steht und es wird um weitere Einreichungen für Vorträge, Panels, Workshops oder andere dem Tagungsthema angemessenen Formate bis zum 15. Juli gebeten.

    IMV News
    Zum krönenden Abschluss der KurzKonferenz des Instituts für Medienverantwortung am Abend des 24. Juni 2021 eröffnete die Kuratorin Dr. Xenia Gleißner die von ihr konzipierte 3D-Ausstellung „A Brexit Diary“, „Mein Brexit Tagebuch“, die nun für ein Jahr hier besucht werden kann: https://mahalli-exhibitions.web.app.Die Moderatorin des Abends und jüngste Mitarbeiterin des Instituts, India Noack, führte durch die KurzKonferenz auf Zoom, zu der das IMV anlässlich seines 15-jährigen Bestehens eingeladen hatte. Eröffnet wurde die Online-Veranstaltung mit Thomas Nehls, langjähriger WDR-Korrespondent in den USA und im journalistischen Unruhestand unter anderem im Förderkreis des IMV aktiv. Den weiteren Vorstand vertraten Iris Häcker und Silke Pieper, die langjährige Büroleiterin in Erlangen bis 2018, als das Institut seinen Sitz nach Berlin verlegte. 
    Die Leiterin, Prof. Sabine Schiffer, stellte ihr neues Buch „Medienanalyse – ein kritisches Lehrbuch“ vor, das kürzlich im Westend-Verlag erschienen ist und einen Methodenkanon für das Schul- und Studienfach Medienbildung zusammenstellt. 
    In Kürze erscheint, ebenfalls im Westend-Verlag, die umfassend überarbeitete, zweite Auflage von „Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich“, dessen Inhalt Prof. Constantin Wagner vorstellte. Er skizzierte die Aufregungen um das Erscheinen der Erstauflage 2009 und den Forschungsstand auf internationaler Ebene bis heute, alles in der Neuauflage enthalten und an Beispielen aufgearbeitet; weshalb auch die Deutung des Anschlags in Halle 2019 einer Überprüfung zu unterziehen sein wird.
     Das IMV-Programm mit Angeboten zur Medienbildung, die ab sofort via Zoom stattfinden, ist hier abrufbar und startet am 2. Juli 2021 mit einer Fortbildungseinheit zur Qualitätsprüfung bei Wikipedia-Einträgen. Anmeldung bitte über verwaltung@medienverantwortung.de bis spätestens 14 Tage vor Kursbeginn. 

    Rückfragen aus dem Publikum bezogen sich vor allem auf die englischsprachige Online-Ausstellung und deren Handling bzw. Zweisprachigkeit mit abrufbaren Übersetzungen ins Deutsche. Dank gilt Xenia Gleißner für Ihren unermüdlichen Einsatz, einigen großzügigen Überlassungen an Bildrechten und dem Förderkreis, der den verbleibenden finanziellen Aufwand für die Realisierung übernahm. 

    IMV Termine
    12. Juli 2021
    18 Uhr Prof. Dr. Sabine Schiffer „Fake-News gibt es nicht nur im Internet” 
    Sommer Lecture via Zoom  HMKW