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    Ukraine-Krieg und Kriegslogik, IMV Newsletter März 2022

    Liebe Interessierte, 

    es ist wieder Krieg. Schrecklich! Und wieder auf europäischem Boden – wo wir uns doch daran gewöhnt haben, dass der Krieg normalerweise woanders stattfindet. Informationen für Hilfsmöglichkeiten für die Ukraine und ukrainische Flüchtlinge finden Sie hier: https://www.globalcitizen.org/de/content/ways-to-help-ukraine-conflict.

    Bevor wir einige Hintergründe ergänzen, die in den Medien kaum Beachtung finden, sei hier klar und deutlich vorweggeschickt: 

    NEIN zum Krieg! 

    NEIN zur Kriegspropaganda! 

    NEIN zu Kriegslogik und Aufrüstungsspirale!

    Wir rufen zur Solidarität mit allen vom Krieg betroffenen Menschen auf und warnen gleichzeitig vor der Instrumentalisierung des Konflikts. Denn die enormen Summen, die für Pflege, Schulen, Welternährung, Klimaschutz, Verkehrs- und Energiewende nicht da waren, sollen nun für die Aufrüstung bereit stehen. Das würde „nachhaltig“ sein, nur im zerstörerischen Sinne. 

    Soweit unsere Positionierung. Und nun zur Analyse, die versucht die politischen und medialen Wirklichkeitsvorstellungen um zentrale – teilweise unterschlagene – Fakten zu ergänzen. Dazu der ausführliche Analyse-Artikel von Sabine Schiffer, der auf Telepolis www.heise.de/tp/features/Blaupausen-fuer-die-Ukraine-6527247.html erschien ist. Die Feststellung, dass der Angriff auf die Ukraine nicht der erste seine Art ist, relativiert nicht die Verantwortung Putins, aber gehört zur Wahrheit dazu. Und die Analyse muss stimmen, damit man nicht die falschen Schlüsse daraus zieht (vgl. Regierungserklärung vom 27.02.2022).  

    Auf dem Twitter-Account des Satirikers Martin Sonneborn haben wir die Zahlen gefunden, um die es geht. Denn zu den 100 Mrd. für die Bundeswehr, kommen noch die schon lange von der NATO geforderten 2{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc} Rüstungsanteil hinzu. Sonneborn ergänzt in einer Grafik: „Der russische Rüstungsetat liegt bei 60 Mrd., der der Nato bei 1000 Mrd. Und Jean Ziegler sagt: ‚Alle fünf Sekunden stirbt ein Kind an Hunger.‘“ Und er verlinkt einen Post von @SchallWilhelm, der kalkuliert: „Kann jeder nachrechnen: 2{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc} v. BIP = ca. 70 Mrd. € = ca. 20{f6e639f3f76237a19cb7daeb628e16668db4d22c0adeaa984edf0aa1c29f60dc} vom Bundeshaushalt! = jeder Fünfte € für Militär! Damit kann man viele Waffen kaufen, aber keinen Frieden! Und auch keine Umwelt- und Sozialpolitik! Für welches Problem soll das die Lösung sein?“ 

    Wenn auch versucht wurde, den Kriegsbeginn in der Ukraine als „Zeitenwende“ zu definieren; als Zeitenwende in Deutschland wird diese Bundestagsdebatte eingehen. Denn, so unfassbar der Angriff auf die Ukraine auch ist, er ist nicht der erste Krieg in Europa. Die Nachkriegsordnung, die in der Schlussakte von Helsinki 1975 eine Sicherheitsgarantie für alle Länder und Grenzen Europas fand, wurde durch den Krieg in Jugoslawien zerstört. Und Deutschland spielte dabei eine wichtige Rolle, wie Klaus Peter Zeitler in seinem Buch „Deutschlands Rolle bei der völkerrechtlichen Anerkennung der Republik Kroatien unter der besonderen Berücksichtigung des deutschen Außenministers Genscher.“ www.eurobuch.de/buch/isbn/382888184X.html erschienen im Tectum Verlag 2000. 

    Den Auftakt machte also die FDP mit der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens. Damit war die Büchse der Pandora geöffnet und die Destabilisierung des Balkans eingeleitet. Schließlich waren es SPD und Grüne, die die Bundeswehr in den ersten Militäreinsatz nach dem zweiten Weltkrieg führten – als die NATO 1999 Serbien bombardierte und half, den Kosovo abzuspalten; aus humanitären Gründen, um einen „Genozid“ zu verhindern – wobei Serbiens Präsident Milosevic ebenfalls behauptete einen „Genozid“ verhindern zu wollen. 

    Die aktuelle Regierungskoalition – die Ampel – dürfte also wenig Interesse daran haben, den Hergang zu (er)klären – wie es beispielsweise die WDR Story „Es begann mit einer Lüge“  auf www.youtube.com/watch?v=ZtkQYRlXMNU tat. Deshalb betonen wir erneut an dieser Stelle, dass es die Aufgabe von Medien als (hoffentlich nicht nur idealtypische) Vierte Gewalt ist, für umfassende Informiertheit der Bevölkerung durch faktenreiche Recherchen zu sorgen und nicht die strategische Kommunikation von interessierter Seite mit Information zu verwechseln.  

    Die Ausstellung Brexit-Diary ist eröffnet,Tagungsinfo und Call des Netzwerks Kritische Kommunikationswissenschaft, IMV Newsletter Juli 2021

    Liebe Interessierte, 

    gerne machen wir auf folgende Tagung aufmerksam, an der man sich noch mit Beiträgen beteiligen kann: https://krikowi.net/wien.      
    Die 4. KriKoWi-Tagung „Eigentum, Medien, Öffentlichkeit“ soll analog, live und in Farbe vom 18. bis 20 November 2021 an der WU Wien stattfinden. Das vorläufige Rahmenprogramm steht und es wird um weitere Einreichungen für Vorträge, Panels, Workshops oder andere dem Tagungsthema angemessenen Formate bis zum 15. Juli gebeten.

    IMV News
    Zum krönenden Abschluss der KurzKonferenz des Instituts für Medienverantwortung am Abend des 24. Juni 2021 eröffnete die Kuratorin Dr. Xenia Gleißner die von ihr konzipierte 3D-Ausstellung „A Brexit Diary“, „Mein Brexit Tagebuch“, die nun für ein Jahr hier besucht werden kann: https://mahalli-exhibitions.web.app.Die Moderatorin des Abends und jüngste Mitarbeiterin des Instituts, India Noack, führte durch die KurzKonferenz auf Zoom, zu der das IMV anlässlich seines 15-jährigen Bestehens eingeladen hatte. Eröffnet wurde die Online-Veranstaltung mit Thomas Nehls, langjähriger WDR-Korrespondent in den USA und im journalistischen Unruhestand unter anderem im Förderkreis des IMV aktiv. Den weiteren Vorstand vertraten Iris Häcker und Silke Pieper, die langjährige Büroleiterin in Erlangen bis 2018, als das Institut seinen Sitz nach Berlin verlegte. 
    Die Leiterin, Prof. Sabine Schiffer, stellte ihr neues Buch „Medienanalyse – ein kritisches Lehrbuch“ vor, das kürzlich im Westend-Verlag erschienen ist und einen Methodenkanon für das Schul- und Studienfach Medienbildung zusammenstellt. 
    In Kürze erscheint, ebenfalls im Westend-Verlag, die umfassend überarbeitete, zweite Auflage von „Antisemitismus und Islamophobie – ein Vergleich“, dessen Inhalt Prof. Constantin Wagner vorstellte. Er skizzierte die Aufregungen um das Erscheinen der Erstauflage 2009 und den Forschungsstand auf internationaler Ebene bis heute, alles in der Neuauflage enthalten und an Beispielen aufgearbeitet; weshalb auch die Deutung des Anschlags in Halle 2019 einer Überprüfung zu unterziehen sein wird.
     Das IMV-Programm mit Angeboten zur Medienbildung, die ab sofort via Zoom stattfinden, ist hier abrufbar und startet am 2. Juli 2021 mit einer Fortbildungseinheit zur Qualitätsprüfung bei Wikipedia-Einträgen. Anmeldung bitte über verwaltung@medienverantwortung.de bis spätestens 14 Tage vor Kursbeginn. 

    Rückfragen aus dem Publikum bezogen sich vor allem auf die englischsprachige Online-Ausstellung und deren Handling bzw. Zweisprachigkeit mit abrufbaren Übersetzungen ins Deutsche. Dank gilt Xenia Gleißner für Ihren unermüdlichen Einsatz, einigen großzügigen Überlassungen an Bildrechten und dem Förderkreis, der den verbleibenden finanziellen Aufwand für die Realisierung übernahm. 

    IMV Termine
    12. Juli 2021
    18 Uhr Prof. Dr. Sabine Schiffer „Fake-News gibt es nicht nur im Internet” 
    Sommer Lecture via Zoom  HMKW

    Buchankündigung Medienanalyse + freeAssange, IMV Newsletter Januar 2021

    Liebe Interessierten,

    mit allen guten Wünschen für 2021 melden wir uns zu den Aufgaben der Medienverantwortung zurück.

    Am Sonntag nahmen wir in Berlin bei der Kundgebung zur Freilassung von Julian Assange teil mit einem spontanen Aufruf von Sabine Schiffer an die Medien, mehr über den skandalöschen Fall zu berichten mit Blick auf Pressefreiheit und Whistleblowerschutz (hier nachzuhören: www.youtube.com/watch?v=SCskSaJjVlM).

    Am 4. Januar 2021 dann eine einerseits erleichternde Entscheidung des Londoner Gerichts, Assange nicht an die USA auszuliefern, allerdings mit einer individualisierenden und psychologisierenden Begründung (nicht falsch, aber), die weder die Falschbehauptungen aus den USA korrigiert, noch die Aufklärung der Verbrechen verlangt, die u.a. Wikileaks aufgedeckt hat. Während die meisten Medien beim Framing der „umstrittenen Person“ bleiben, wie etwa der Deutschlandfunk heute morgen in einem Unbeteiligungs-Framing von Meinungsstreit (von anderen) – so empfehlen wir den längeren Hintergrund des DLF zum Thema, der die Thematik etwas differnzierter ausleuchtet:

    www.deutschlandfunk.de/der-fall-assange.4161.de.html

    Reporter ohne Grenzen beziehen ganz klar Stellung mit dieser Position:

    www.reporter-ohne-grenzen.de/pressemitteilungen/meldung/assange-entscheidung-erleichterung-und-kritik

    Konstant kritisch berichtet hatten vor allem linke Medien und das blieben sie auch in der Beurteilung des Prozessausgangs:

    www.neues-deutschland.de/artikel/1146534.julian-assange-auslieferung-von-assange-vorerst-abgelehnt.html & www.jungewelt.de/artikel/393668.usa-gegen-assange-nur-ein-erster-schritt.html

    Wir finden den Urteilsspruch übrigens clever, um Ruhe in die Sache zu bringen – denn alles andere hätte vielleicht mehr Kräfte mobilisiert, als was den politisch Verantwortlichen genehm gewesen wäre…

    Ankündigung – IMV News & IMV Termine

    Am 1. Feburar 2021 erscheint das neue Buch von Sabine Schiffer im Westend Verlag: Medienanalyse – ein kritisches Lehrbuch, www.westendverlag.de/buch/medienanalyse. Es richtet sich an alle, die an Medien interessiert sind – Medienmachende, wie Mediennutzende – und vermittelt Grundlagen zur Förderung von Media Literacy. Da medienvermitteltes Wissen durch Medien aller Art eine wesentliche Grundlage unserer Entscheidungen bilden, in Alltag und Politik, ist eine Auseinandersetzung mit medialen Konstruktionsprinzipien und -mechanismen geboten. Dies gilt für den Bildungsbereich, in Schule, Studium und beruflicher Bildung, sowie im lebenslangen Lernen der Erwachsenenbildung. Und da Medienmacher auch Mediennutzer sind, sind sie ebenfalls eingeladen sich kritisch mit der eigenen Gestaltungstätigkeit auseinander zu setzten – aber auch mit Einflussfaktoren von außen durch PR und Lobbyismus. Anhand realer Beispiele und Ereignisse wird hier ein Katalog an Analysewerkzeugen und Kriterien zusammen gestellt, der sowohl im Alltag der Mediennutzung, als auch zur wissenschaftlichen Auseinandersetzung angewandt werden kann.

    Wir freuen uns auf vertiefende Diskussionen!

    Schluss mit 2020 – auf ein besseres 2021! Sonder-Newsletter Dezember 2020

    Liebe Interessierten und Unterstützer,

    dieses Jahr war besonders außergewöhnlich und hart – im Vergleich zu vielen anderen sind wir bisher noch einigermaßen glimpflich davon gekommen. Also, uns gibt es noch – aber so langsam droht uns die Puste auszugehen. Zum Glück haben die meisten von uns noch ein anderes Standbein, sonst hätten wir bereits aufgeben müssen.

    Unsere 15-Jahreskonferenz haben wir nach zweimaligem Verschieben für dieses Jahr ganz abgesagt. Auch vieles andere konnte nicht stattfinden, einige Fortbildungsveranstaltungen und Interviews wurden ins Internet verlegt. Wir haben teilweise die reduzierten Möglichkeiten dazu genutzt, um Grundsätzliches auf den Weg zu bringen. Den Relaunch der Websites und zwei Buchprojekte. Constantin Wagner und Sabine Schiffer haben die zweite Auflage von „Antisemitismus und Islamophobie, ein Vergleich“ überarbeitet.

    Und Sabine Schiffer hat ihre langjährige Erfahrung und Methodenwissen in ein Lehrbuch zur kritischen „Medienanalyse“ verpackt. Dieses soll am 1. Februar 2021 erscheinen und wird der Auftakt zu einer neuen Wissenschaftsreihe beim Westend-Verlag sein, mit einem Ansatz angewandter Wissenschaft und dem Anspruch auch für die Medienbildung in Schulen zu taugen. Natürlich werden wir nicht müde, weiterhin ein Schulfach Medienbildung zu fordern.

    Wie man im politischen Bereich den Eindruck hat – zum Beispiel beim Auflegen nachhaltig demokratieeinschränkender Gesetze, wie dem Infektionsschutzgesetz – so scheint auch im Bildungsbereich die Situation für manche günstig, um Fakten zu schaffen. Die Behörden haben es zum großen Teil versäumt, eigene datensichere Plattformen zu schaffen, um Schüler nicht den Großkonzernen der IT-Branche auszuliefern, wenn sie digital beschult werden. Dazu haben wir einige Pressemitteilungen herausgegeben und verweisen hier noch einmal auf den Blog des Bundestagsabgeordneten Kuketz, der immer wieder wichtige Beiträge rund um die Thematik bereit hält: www.kuketz-blog.de.

    Im Laufe des Jahres sind Fachartikel erschienen, die Sie in diesen Büchern finden:
    „Diskursintervention“https://www.springer.com/de/book/9783658305581
    und „Medienkritik“https://www.halem-verlag.de/medienkritik-zwischen-ideologischer-instrumentalisierung-und-kritischer-aufklaerung

    Zum Thema Corona-Berichterstattung sind wir auf der Linie von Stephan Ruß-Mohl, der in der Süddeutschen Zeitung mit „DaS Corona-Panikorchester“ einen bedenkenswerten Beitrag geleistet hat: https://www.sueddeutsche.de/medien/russ-mohl-gastbeitrag-corona-panikorchester-1.5075025. Weit davon entfernt, die Problematik dieses Virus zu leugnen, plädieren auch wir für eine realtische Einordnung der Thematik in andere lebensbedrohende Aspekte – womit wir gleichzeitig allen, die jegliche Relevanz und Gefahr von Covid19 leugnen, eine Absage erteilen. Bereits in unserem Newsletter vom Mai hatten wir entsprechend Stellung genommen: https://imv.blog-upcycling.de/2020/05/11/newsletter-mai-2020-2. Dass nun Kritiker der Maßnahmen oder auch andere kritische Stimmen in den sogenannten sozialen Medien Druck von großen Plattformen erfahren und Zensur erleben, ist ein dennoch ein ernstzunehmendes Problem – es beginnt immer dort, wo wir anfangen (staatliche oder private) Zensur zu akzeptieren (meistens dann, wenn es um anschlussfähige Themen wie Pornografie, Extremismus oder Kindesmisshandlung geht). Natürlich trifft die Verfolgung und Eindämmung von Fake-News am Ende nicht nur echte Manipulatoren, sondern immer auch die kritischen Stimmen, die sich weigern im „Mainstream“ mitzuschwimmen. Wer den Beitrag von Prof. Ruß-Mohl liest, versteht, dass es einen solchen Mainstream gibt.
    Es bleibt also, das wachsame Auge in alle Richtungen auch im nächsten Jahr zu behalten. Wir wollen das weiterhin kritisch und besonnen tun – und durch Ihre Unterstützung ist das möglich.

    An dieser Stelle einen herzlichen Dank an diejenigen, die durch kleine bis große Spenden dazu beitragen, dass unseren Arbeit auch in diesen schwierigen Zeiten fortgeführt werden kann.
    Wer das noch möglich machen kann, dem gilt unser Dank bereits im Voraus!
    Und wer von Ihnen ein ganz konkretes Vorhaben unterstützen möchte: unbedingt möchten wir Xenia Gleißners Ausstellung „Brexit – BrexShit“ möglichst bald zumindest online zeigen (zur Jahreskonferenz ging das ja leider nicht). Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt: https://www.betterplace.org/de/projects/85971-brexshit-oder-brexit-eine-ausstellung

    Allen alles Gute, einen klaren Kopf und Gesundheit fürs nächste Jahr und darüber hinaus!

    Tipps für Bildanalyse + Tag gegen antimuslimischen Rassismus

    Liebe Interessierten,

    zwar gab es Bildfälschungen lange vor der Erfindung ditigaler Technologien – Stichwort: Retusche – aber mit den neuen Medien sind die Möglichkeiten einfacher und vielfältiger geworden. In manchen Bereichen gehören sie gar zum Standard – etwa in der Werbung für Gesichtscremes oder Schlankmacher und in der Modebranche mitsamt dem Influencer Marketing.

    Politische Brisanz erhalten Bildmanipulationen, wenn…

    … sie Ereignisse verfälschen und gar zu Hass und Hetze aufstacheln oder gar Kriege legitimieren. Dazu bedarf es nicht immer digitaler Techniken, wie die angeblichen Massaker-Bilder aus Rugovo und Racak belegen, die angeblich getötete Zivilisten zeigten, dabei waren es zusammengetragene Milizenkämpfer. Diese Bilder mitsamt deren Instrumentalsierung von Scharpings Verteidigungsministerium führten uns in den 1990er Jahren in die erste deutsche Kriegsbeteiligung nach dem zweiten Weltkrieg und bescherten der NATO eine neue Doktrin, die bis heute federführend für weitere „Friedensmissionen“ geblieben ist: siehe WDR Story „Es begann mit einer Lüge“ https://www.youtube.com/watch?v=ZtkQYRlXMNU.

    … sie Personen in einen falschen Kontext stellen und so Politikern oder anderen Dinge unterstellen, woran sie nicht beteiligt waren. Und das geht inzwischen auch mobil – also sowohl mit leicht zu installierenden Apps auf dem Smartphone herzustellen, als auch die mobile Peron in ihrer Bewegung mit einer anderen zu verschränken. Mit etwas ausgefeilterer Technik lässt sich heute in Echtzeit sogar jedem Politiker oder Schauspieler eigene Aussagen und Mimik unterlegen: sog. Deep Fakes, wie dieses hier: https://www.youtube.com/watch?v=cQ54GDm1eL0

    … Situationen durch gefälschte Farben manipuliert werden, indem beispielsweise aus einem Wasserrinnsal optisch eine Blutlache wird, um Terror zu inszenieren oder wirklich schreckliche Ereignisse noch zu intensivieren. Dies geschah zum Beispiel beim Massaker von Luxor: https://www.nzz.ch/schweiz/das-massaker-von-luxor-schockiert-die-schweiz-ld.1327654.

    Bereits an diesen wenigen Beispielen wird deutlich, dass Bilder ihre Beweiskraft zu unrecht haben. Der Authentizitätsbonus ist inzwischen sowohl beim Stand- als auch beim Bewegtbild stets (selbst-)kritisch zu hinterfragen.

    Dass Bilder und auch Filmaufnahmen durch einen Kontextwechsel zudem ihre Bedeutung verändern, konnten wir 2014 in der Ukrainekrise erleben, als ein syrischer Hubschauber über der Ukraine abzustürzen schien – Youtube-Aufnahmen aus Syrien begleitet von „Allahu akbar-„Rufen, die auch die Tagesschau tonlos und unkritisch übernahm: Siehe u.a. Gerster, Petra & Nürnberger, Christian: „Die Meinungsmaschnine – Wie Informationen gemacht werden…“.

    Aber eigentlich beginnt die Bildmanipulation schon früher, denn jedes Bild ist ein kleiner Realitätsausschnitt, eine Momentaufnahme, was sich aus dem Vergleich der berühmt gewordenen Aufnahme von Kim Phuc, die 1972 in Vietnam vor Napalmbomben floh und zur Bildikone der Antikriegsbewegung wurde, mit anderen Aufnahmen der gleichen Szenerie ergibt – die (potentielle) Wirkung ist eine andere, je nachdem welchen Bildausschnitt man wählt: https://www.welt.de/geschichte/gallery114225594/Phan-Thi-Kim-Phuc-Ikone-des-Vietnamkrieges.html.

    Wer Zweifel über die Echtheit und Herkunft von Bildern hat, kann mit der Rückwärtssuche der Google Bildersuche oder https://tineye.com zumindest feststellen, wann und wo diese im Internet schon einmal aufgetaucht sind. Oder man wendet sich an professionelle Bildforensiker, vor allem wenn es sich bei Bildfälschungen um justiziable Aktionen handelt – z.B.:
    https://www.medien-sachverstaendiger.de/digitale-bild-forensik oder https://www5.cs.fau.de/lectures/ss-16/original-oder-faelschung-seminar-bildforensik-semforensik

    Eine sehenswerte Wissensdoku zum Thema empfehlen wir hier: https://www.3sat.de/wissen/wissenschaftsdoku/das-manipulierte-bild-102.html

    Traue keinem Bild, auch keinem bewegten!

    IMV News
    Wir einnern an den Tod von Dr. Marwa El-Sherbiny am 1. Juli 2009, deren Mörder schnell abgeurteilt und Fahrlässigkeit von Behördenseite bis heute nicht untersucht wurde: https://www.medienverantwortung.de/wp-content/uploads/2009/07/20110715_IMV-Schiffer_InMemoriam-MarwaElSherbiny.pdf Die deutsch-israelische Künstlerin Noa Gur hat in einer Installation vor dem Bundeskanzleramt am 1. Juli 2019 dem 10. Jahrestag des Mordes gedacht – mit unserer Institutsleitung als Rednerin: https://www.youtube.com/watch?v=QYBs-iHaAHM Wie es bei Ahnmahnung von Versäumnissen und Fehlern aufgrund möglicher rassistischer Reflexe zur Verfolgung der Überbringer der schlechten Botschaft kommt, dafür steht der Prozess gegen die Interviewäußerungen von Sabine Schiffer exemplarisch: https://imv.blog-upcycling.de/der-prozess. Das Thema Rassismus steht heute wieder auf der diskursiven Tagesordnung, weil es immer noch nicht ernsthaft angegangen wurde – und das hat Folgen: Hanau und der Lübcke-Mord mahnen. Rassismus tötet und Rassismusleugnung auch, wie viele andere Fälle bezeugen: https://imv.blog-upcycling.de/informationsportale/rassismus-toetet. Der 1. Juli ist seit nunmehr 10 Jahren der Tag gegen antismuslimischen Rassismus.